EDEL-POPDuran Duran : Abenteuer Spätwerk

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Moment mal, diese vier leicht runtergerockten, zum Teil vollbärtigen Trenchcoat-Typen, die sich vor einer Architekturkulisse mit Hinterhofcharme in Pose werfen – das sollen Duran Duran sein? Die britischen Styling-Götter der Achtziger, die als ein weniger soigniertes Update den aristokratisch-dekadenten Glamrock von Roxy Music für eine neue Hörergeneration retteten? Zu ihrer Glanzzeit, die von ihrem unbetitelten Debütalbum 1981 bis etwa zur Mitte des Jahrzehnts reichte, waren Duran Duran ein aufregend hysterischer Gegenentwurf zur blasierten Synthiepop-Kühle von Depeche Mode und Konsorten: Songs wie „Hungry Like The Wolf“, „Is There Something I Should Know“, „The Reflex“ oder „Wild Boys“ waren lodernde Hymnen mit zum Teil abenteuerlichen Instrumentierungen und Melodieführungen – und wurden dennoch Monsterhits, und zwar auf beiden Seiten des Atlantiks.

Dergestalt in den Rang von Superstars aufgestiegen, durften Simon Le Bon (links) und seine Adlati sogar den Titelsong zum 1985er James-Bond-Film „A View To A Kill“ beisteuern. Leider war das eines ihrer schwächeren Werke, und der erste von mehreren Karriereknicks ließ dann auch nicht lange auf sich warten. Doch was keiner erwartete: Die alternden Schönlinge erwiesen sich als äußerst zählebig. Das Spätwerk der Teenieschwärme von einst erzielt zwar nicht die Breitenwirkung vergangener Tage, ist aber von erstaunlicher Souveränität. Unter Mitwirkung klug gewählter Produzenten wie vor vier Jahren Timbaland und Mark Ronson bei der letzten Platte konnten sich Duran Duran erneuern, ohne sich dem Zeitgeist anzubiedern. Nicht schlecht für eine Band, die viele vor etlichen Jahren abgeschrieben hatten. Jörg Wunder

Columbiahalle, Di 31.1., 20 Uhr, 48 €

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