EDITORIAL : Alles bleibt anders

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Was waren das für Schreckensszenarien: Als unsere Konzertsäle aufhörten, Bastionen der Bildung zu sein – also abweisend gegenüber allen, die nicht schon vorgebildet sind – waren überall Zweifler. Wer sich einem neuen Publikum öffnet, vergrault sein altes, so hieß es. Der Genuss des ererbten Philharmoniker-Abos soll nicht durch Jugendliche beim Klassik-Erstkontakt gestört werden. Und außerdem mögen die Dirigenten bitte nicht moderieren, sondern auratisch Kultur zelebrieren. Alles so nicht wahr, glaubt man dem 9. Kulturbarometer, das die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) in Auftrag gegeben hat. Danach nutzt ein Drittel der Bevölkerung Vermittlungsangebote der Kultureinrichtungen, wie Workshops oder Einführungen. Die Zahl altgedienter Konzertgänger hat unter diesem Engagement nicht gelitten, sie stieg sogar an. Und: Fast die Hälfte aller Befragten hält inzwischen die Nachwuchsarbeit für die wichtigste Aufgabe der Orchester in Deutschland. Das ist doch schon mal was. Jetzt bloß nicht nachlassen, denn noch sinkt die Zahl junger Konzert- und Operngänger unter 24 Jahren. Ulrich Amling

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