EDITORIAL : Auf und davon

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Jetzt möchte man einfach nur: die Fliege machen. Noch einen letzten Gedanken darauf verschwenden, wie trocken die Abwesenheitsnachricht ausfallen soll. Und auf und davon in den Sommer. Doch das Entkommen aus dem Alltag ist gar nicht so leicht. Davon weiß die Bahn ein Gedicht zu rezitieren. Sie lässt an ihre im stehenden ICE schmorenden Kunden Rilke-Bändchen verteilen: „Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.“ Wer sich auf den Weg macht, ist immer selber schuld. Zumindest bis in die Volksbühne sollte der Ausbruchsversuch aber führen. Dort macht einer die Fliege, der vor nichts zurückschreckt. Herbert Fritsch ist zurück am Rosa-Luxemburg-Platz, und diesmal müssen alle nach seiner schrillen Pfeife tanzen. Als Regisseur hetzt er Kollegen wie Sophie Rois und Wolfram Koch durch den Schwank „Die spanische Fliege“. Darin kippt die Bürgerwelt um Mostrichhändler Klinke wegen eines zwei Jahrzehnte zurückliegenden möglichen Techtels jenseits von Mechtel aus dem Gleisbett. Ohne Bahncard, ohne Rilke, ab 29. Juni.

Ulrich Amling

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