EDITORIAL : Augen auf im Kinosessel

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Eine ganze Berlinale lang bin ich kein einziges Mal im Kino eingeschlafen. Persönliche Bestleistung! Das lag wohl daran, dass ich inzwischen besser mit Schlafdefiziten umgehen kann. Die Filme selbst sind hingegen nie schuld, dass ich einschlafe oder wach bleibe. Selbst bei Werken, die mich wirklich interessieren, bin ich schon weggenickt – die Müdigkeit ist manchmal einfach stärker als die Kunst. Oft beginnt der Kinoschlaf mit einem tückischen kleinen Selbstbetrug: In einer ruhigen Passage schließe ich nur mal kurz die Augen. Gerade ist ja nur Landschaft zu sehen. Oder ich mache mir vor, dass es reicht, einen Dialog der Protagonisten nur zu hören und nicht zu sehen. Und schwupp – erwache ich in einer wilden Schießerei. Was war da los? Keine Ahnung. So entstehen im Kopf manchmal ganz neue Ersatzszenen. Schön ist auch, wenn die Filmbilder den Anfang eines Traums inspirieren. Leider kann ich mich später meist nicht mehr daran erinnen ... Allen Ausgeschlafenen sei der Besuch von Werner Herzogs Thriller „Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen“ (s. S. 3) empfohlen. Nadine Lange

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