EDITORIAL : Bühne für Besessene

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Unter meinen Händen werden alle Stücke und Inszenierungen zu Bekenntnissen“, schreibt Erwin Piscator kurz vor seinem Tod 1966. Welcher Theatermensch kann das heute von sich sagen? Am Nollendorfplatz verwirklicht er den Traum von der eigenen Bühne: Angetrieben von einem dramaturgischen Kollektiv, in dem Schriftsteller und Journalisten Zeitstücke schaffen. Politisches Theater, das multimedial auch unterhält – finanziell unterstützt von einem Großindustriellen. Piscators Bühne dreht sich schnell. Leo Lania schreibt für sie die ökonomische Komödie „Konjunktur“, Kurt Weill, der gefeierte Komponist der „Dreigroschenoper“, steuert die Musik bei: „Petroleum heißt unser Vaterland. Dafür zerlöchern wir uns das Fell: Shell! Shell! Shell!“ Es wird sehr hell – und bald dunkel rund um den Nollendorfplatz. Erst flieht Piscator den Bankrott, dann Stalinismus und Faschismus. In New York besuchen Marlon Brando und Tennessee Williams seine Workshops. Aus den Briefen eines Theaterbesessenen liest Axel Wandkte: Akademie der Künste am Pariser Platz, So 29.1., 11 Uhr, 5/3 €. Ulrich Amling

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