EDITORIAL : Das Beste zum Schluss

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Wie immer lädt das Jahresende zum Bilanzieren ein. Was war toll, was hat genervt? Auch wenn ich eigentlich nicht zu den Unkenrufern gehöre, die behaupten, dass früher alles besser war, beschleicht mich das Gefühl, 2011 sei in kultureller Hinsicht kein besonders ergiebiges Jahr gewesen. Es gab zwar eine Menge guter, wichtiger, interessanter Platten und Filme (das sind die Bereiche, in denen ich mich zuständig fühle), aber nur wenig herausragende. Ich erinnere mich an wunderschöne Alben von Wilco oder James Blake, doch nichts kam heran an die Zukunftsmusik von Kanye West aus dem Jahr davor. Es gab einen grandiosen, die Kinogenerationen verbindenden Film wie „Super 8“, der bei uns ebenso floppte wie 2010 der noch viel bessere „Toy Story 3“, was mich mit kulturpessimistischen Anwandlungen erfüllte. Wenigstens in Sachen Livemusik hatte 2011 Sensationelles zu bieten, mit dem sagenhaften Auftritt von Sufjan Stevens im Admiralspalast sogar ein konzertantes Jahrhundertereignis. Früher war wohl doch nicht alles besser. Und womöglich kommt das Beste ja erst noch.Jörg Wunder

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