EDITORIAL : Der siebte Sinn

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Müssen Sie auch immer öfter auf Bürgersteigen Slalom laufen, weil ihnen Menschen entgegenkommen, die im digitalen Zwiegespräch mit ihrem Smartphone die Außenwelt vernachlässigen? Ganz zu schweigen von Automobilisten, die einem fast über die Füße fahren, weil sie nebenbei auf irgendwelche Displays starren. Man muss nicht die bestimmt zehn Jahre alte Legende über einen asiatischen Handynutzer hervorkramen, der nach der fußgängerischen Kollision mit einer Straßenlaterne verstorben sein soll, um die Gefahren des urbanen Multitaskings zu erkennen. Risikomindernde Maßnahmen wie gepolsterte Laternenpfähle – 2008 gab es einen Modellversuch in der Londoner Brick Lane – oder Apps, die vor Hindernissen warnen, scheinen mir das Pferd von der falschen Seite aufzuzäumen. Doch ich habe leicht reden: Mein Mobiltelefon ist aus der technologischen Steinzeit, nicht mal fotografieren kann man damit. Und wenn ich eine SMS verfasse, was dank Mehrfachtastenbelegung höchste Konzentration erfordert, ist Monotasking angesagt. Hilft Unfälle vermeiden.Jörg Wunder

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