EDITORIAL : Ein Ort zum Verweilen

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Zugegeben, es gibt drängendere Probleme in Berlin. Das Flughafendesaster. Die Hundekacke. Aber mich treibt zurzeit am meisten um, dass mein Stammlokal am Marheinekeplatz den Betrieb eingestellt hat. Seitdem fühle ich mich unbeheimatet, irre ziellos umher auf der Suche nach einem Gastbetrieb, der eine vergleichbare Kombination von Annehmlichkeiten bietet. Als da wären: ein breites Sortiment an Erzeugnissen der Tagespresse, auch an Wintertagen helle Räumlichkeiten, freundliches Personal, feine Musik, guter Kaffee. Und natürlich der ultimative kulinarische Seelentröster: Kaiserschmarrn. Der beste, den ich je gegessen habe. Alles dahin. Leider kann ich mich nicht mal in einen gerechten Antigentrifizierungszorn hineinsteigern. Dass mein Lieblingslokal nach über 30 Jahren schließt, liegt nicht an renditegeilen Immobilienbesitzern, sondern daran, dass die beiden sympathischen Betreiberinnen auch mal etwas Zeit für sich haben wollen. Es sei ihnen von Herzen gegönnt. Und da sie selbst den neuen Pächter ausgewählt haben, habe ich noch Hoffnung. Vielleicht wird ja alles wieder gut.Jörg Wunder

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