EDITORIAL : Fummel aus dem Fundus

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Auch Kraftwerke der Gefühle müssen mal vom Netz. Nach jahrzehntelangem Brausen der Orchesterfluten, nach Spitzenleistungen hochfrequenter Singstimmen und springender Ballettbeine zeigen sich Risse in den Wänden. Deshalb spielt die Staatsoper noch 100 Tage Unter den Linden und zieht dann für drei Jahre ins frisch versiegelte Schillertheater um. Bevor aber im alten Westen die Opernturbinen wieder angelassen werden, wird ordentlich aufgeräumt. Dazu lädt die Staatsoper am Samstag von 11 bis 16 Uhr zum großen Kostümverkauf in ihren Apollo-Saal. Dort kann erstanden werden, was einst mit bebender Brust über die Bühne getragen wurde: Kostüme, Stoffe und Accessoires aus dem Fundus. Darunter Originalgarderobe aus Inszenierungen wie „Meistersinger“, „Turandot“ oder „Götterdämmerung“. Wer sich bislang verschämt als Ohrensesseldirigent betätigt hat, kann jetzt mit prächtigem Outfit zur Wohnzimmerdiva avancieren oder gar zum provokanten Partykellerregisseur. Große Gefühle stecken in der kleinsten Bude. Ulrich Amling

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