EDITORIAL : Gespräch unter vielen Augen

Das aktuelle Jahresthema der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften „ArteFakte. Wissen ist Kunst – Kunst ist Wissen“ zielt in besonderer Weise darauf ab, das Verhältnis von Wissenschaft und Kunst neu zu kartografieren und neue Wege der Zusammenarbeit zu erproben.

Günter Stock
Foto: BBAW
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Moderne Wissenschaft braucht und sucht den Dialog mit der Öffentlichkeit, der jedoch nicht nur die Bereitschaft, sondern auch die Fähigkeit zum Dialog voraussetzt. Für die moderne Wissenschaft ist es daher eine zentrale Herausforderung, Vermittlungsformate zu finden und zielführend einzusetzen, die ihren Errungenschaften angemessen sind. Hierzu bedarf es Partnerschaften ganz unterschiedlicher Disziplinen und Institutionen, die dann am besten gelingen, wenn viele Akteure aus einem derartigen Dialog unmittelbaren Nutzen aus der gegenseitigen Befruchtung ziehen und neue Synergien entstehen.

Aus diesem Grunde hat die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften bereits 2007 die Initiative „Jahresthema“ ins Leben gerufen, die sich dem Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft in besonderer Weise verpflichtet fühlt. Ziel ist es, die Öffentlichkeit über Forschungsprojekte der Akademie zu informieren und zur Diskussion anzuregen. Darüber hinaus geht es uns darum, Aktivitäten wissenschaftlicher und kultureller Institutionen in Berlin und Brandenburg unter einem bestimmten Themendach zu bündeln und miteinander zu vernetzen.

Das aktuelle Jahresthema „ArteFakte. Wissen ist Kunst – Kunst ist Wissen“ zielt in besonderer Weise darauf ab, das Verhältnis von Wissenschaft und Kunst neu zu kartografieren sowie in der Zusammenführung beider Bereiche im theoretischen Diskurs und in der konkreten Zusammenarbeit von Wissenschaftlern und Künstlern neue Wege des Wissenstransfers zu erproben.

So spielt das Thema „Wissensinszenierungen“ im wissenschaftlichen wie auch im künstlerisch-kuratorischen Bereich eine immer größere Rolle. Mit dem „Jahresthema“ können wir daher sowohl eine Vernetzungsplattform als auch Experimentierräume anbieten, um Erfahrungen aus beiden Bereichen zusammenzuführen. Damit knüpfen wir unmittelbar an den Gründer unserer Akademie, Gottfried Wilhelm Leibniz, an, dem die Interdisziplinarität ein zentrales Anliegen zur Problemlösung war und der noch ganz im Denken seiner Zeit zwischen Wissenschaft und Kunst keinen Widerspruch, sondern vielmehr eher eine Einheit sah.

Bislang konnten im Rahmen des laufenden „Jahresthemas“ rund zwanzig Kooperationen mit ganz unterschiedlichen regionalen und überregionalen Institutionen aufgebaut werden. Dabei ist es uns eine besondere Freude, dass eine neue Annäherung zwischen der Berliner Wissenschaftsakademie und der Akademie der Künste im Rahmen des „Jahresthemas“ realisiert werden konnte. Des Weiteren konnte das „Jahresthema“ auch mit Kunstschaffenden konkrete Projekte verwirklichen, wie zum Beispiel „Die Untoten – Life Science & Pulp Fiction“ oder „Synthetische Biologie. Leben – Kunst“. Die Akademie hofft sehr, mit dieser Initiative einen Beitrag zum Verständnis und zur (Wieder-)Annäherung von Kunst und Wissenschaft leisten zu können, der andere zur Nachahmung einlädt.

Der Autor ist Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften

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