EDITORIAL : Himmel und Hölle

Jörg W,er

Wie immer war die TV- Übertragung des „Eurovision Song Contest“ das Tor zu einer faszinierenden Trash-Parallelwelt. Auch wenn putzige Außenseiter im Zuge der Pop-Globalisierung weniger werden, gibt es sie noch: Allein für das aserbaidschanische Himmel-und- Höllenfahrtskommando möchte man die dreieinhalb Stunden nicht missen. Selbst am Ergebnis gibt es wenig zu mäkeln, auch wenn ich den Schäferstündchen-Bombastpop aus Bosnien- Herzegowina lieber vorn gesehen hätte als das russische Kraftspektakel mit Teufelsgeiger und pirouettierendem Eislauf- Olympiasieger. Erschüttert hat mich nur eins: Wieso schickt Großbritannien, das Land mit der höchsten Gute-Bands-pro-Einwohner- Dichte der Welt, regelmäßig völlige Nieten ins Rennen? Der bedauernswerte singende Müllmann Andy Abraham war am Samstag nicht mal der Schlechteste, nur der Langweiligste. Dabei darf man sich auf Berliner Bühnen jede Woche davon überzeugen, wie toll britische Popmusik sein kann. Zum Beispiel die großartige Kate Nash am Dienstag. Wir halten Sie auf dem Laufenden. Jörg Wunder

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