EDITORIAL : Kritische Klasse

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Um etwas lernen zu können, muss man mitunter die Blickrichtung wechseln. Das gilt vor allem für die, die vorne stehen, vor einem Kollektiv, das es zu inspirieren gilt. Um so mehr, wenn die Gruppe erfahren und ihr Anführer noch unsicher in der Mitarbeiterführung ist. Nirgendwo kann man das Spiel dieser Kräfte besser beobachten, als beim Tanz zwischen Orchester und Dirigent. Nicht von ungefähr hat Federico Fellini mit „Prova d’orchestra – Orchesterprobe“ seinen politischsten Film gedreht, zwischen Diktatur, Anarchie und Liebe zur Musik. Vom „Kritischen Orchester“ wäre Fellini begeistert gewesen. Hier treten jungen Dirigenten vor ein selbstbewusstes Klangkollektiv von erfahrenen Musikern aus den Spitzenorchestern Deutschlands. Und die halten mit ihrer Meinung bewusst nicht hinterm Berg. Vor dem Spiegel eingeübte Gesten nach Art der Taktstock-Heroen haben da keine Chance (Sa 5.3., 14-17 Uhr, So 6.3., 10-13 und 14-17 Uhr, Studiosaal der Hochschule für Musik, Charlottenstr. 55, Berlin-Mitte). Der Eintritt ist frei, der Erkenntnisgewinn groß. Ulrich Amling

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