EDITORIAL : Mal Dampf ablassen

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Obwohl ich mal Kunstgeschichte studiert habe, ist mir die Welt der Galerien und Museen wenig vertraut. Ausstellungen besuche ich nicht systematisch, sondern meist spontan, wenn ich irgendwo vorbeigehe und gerade Zeit und Lust habe. So geriet ich neulich in die Retrospektive von Anish Kapoor im Gropius-Bau. Den kannte ich sogar: Vor ein paar Jahren hatte ich seine Riesenballonskulptur „Leviathan“ im Pariser Grand Palais gesehen und war baff. Ähnliche Platzverhältnisse bietet der Gropius-Bau zwar nicht, aber für ein paar hinreißend rätselhafte Wachsinstallationen und Spiegelkabinette reicht es. Mit am spannendsten, und deshalb gehe ich gern in Ausstellungen, wenn sie schon eine Weile laufen, finde ich immer das Besucherbuch. Die Emotionalität der Einträge ist ein guter Indikator für die Relevanz des Gezeigten. Bei Kapoor reichte die Spannweite vom euphorischen „a trip to Planet Awesome“ bis zum Generalverriss „neoliberale Arschkriecherkunst“. Noch bis zum 24. November können Sie sich selbst ein Urteil bilden – und im Besucherbuch verewigen.Jörg Wunder

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