EDITORIAL : Ruppig, aber ehrlich

Alexandra Distler

Dass die Berliner ruppig sind und oft mal was sagen, was sie gar nicht so meinen, ist ja nicht erst seit der Plakatierung der Stadt mit „Trinkgeld sonst Schnauze“ bekannt. Oder war es „Schnauze sonst Trinkgeld“? Egal. Sonntag im ICE: Die Toiletten waren im gesamten Zug ausgefallen, nur in meinem Waggon funktionierten sie noch. Dafür wollten die Steckdosen hier nicht. Nach fünf Stunden Fahrt war der Akku meines Laptops dann doch leer und ich konnte somit keine Musik mehr hören, dafür viele schreiende Kinder. Da hab ich aber Verständnis, da übe ich mich in Nervenstärke. Ich war ja schließlich schon in Leipzig, noch eine Stunde Fahrt, das war auszuhalten. Doch dann hörte ich krachende, nicht identifizierbare, deutsch gegrölte Musik aus dem Handy eines Lümmels so um die 18 Jahre. Es dauerte genau drei Minuten, bis ich aufstand, auf ihn zustürmte und brüllte: „Ey Alter, ist dir eigentlich klar, wie das nervt? Mach deine Drecksmucke leiser oder aus, Alter!“ Hups, dachte ich mir, das war jetzt aber ruppig, und gleich danach: Genau so hab ich’s gemeint! Ach ja, funktioniert hat es auch. Alexandra Distler

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben