EDITORIAL : Schwall und Rauch

Lorenz Maroldt

Ich bin mal sehr gespannt, wie das mit dem Rauchen weitergeht. Zur Zeit herrscht, nach einem kurzen Schrecken, vielerorts hemmungslose Anarchie. Im Würgeengel zum Beispiel hat die Macht des Faktischen wieder dermaßen die ohnehin dünne Luft vernebelt, dass man selbst als unabhängiger Gelegenheitsraucher mit klammheimlicher Freude auf die Damen und Herren vom Ordnungsamt wartet, die vom Sommer an kassieren wollen. Das garantiert Unterhaltung, längst nicht nur dort. Im kleinen Schöneberger La Luna (früher Screwy Bar, davor Sitz des Plattenladens und Labels Twang von Mike Korbik, heute Betreiber des Online-Musiknewsletters Guitars Galore, aber das ist eine andere Geschichte) kann man vor lauter Qualm kaum noch vom Barhocker bis zum Zapfhahn sehen. Gnadenlos zum Gesetz steht aus tiefer Überzeugung als einer der wenigen Günter Windhorst aus der Dorotheenstraße. Allerdings hat auch er ein Problem. Da alle Aschenbecher verbannt sind, wissen die Gäste nicht mehr, wo sie mit ihrem Kleinmüll hinsollen. Tischmülleimer etwa? Himmel, dann doch lieber qualmen! Lorenz Maroldt

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