EDITORIAL : Sie waren Helden

JörgWunder

Mit fortschreitendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, dass einem die Helden der eigenen Jugend wegsterben. Im Bereich der Popmusik haben sich die Reihen in den letzten Jahren schon empfindlich gelichtet. Nun hat es also Lou Reed erwischt. Den fand ich sowohl als Typ wie als Musiker ambivalent, manches aus seinem Spätwerk sogar richtig schlecht. Ins Pantheon meiner Popbiografie gehört er aber schon deswegen, weil er mit The Velvet Underground ähnlich viel dazu beigetragen hat, dass Popmusik zu einer Lebensliebe wurde, wie wenige Jahre zuvor Beatles und ABBA. Punk hatte ich in der niedersächsischen Provinz verschlafen, also wurde der hypnotische Düsterrock von VU, über zehn Jahre nach seiner Entstehung, zur wichtigsten Quelle von Coolness während meiner „rebellischen“ Adoleszenzphase. Anders als bei seinem ehemaligen Bandkollegen John Cale habe ich mich nie in eins von Lou Reeds Berlinkonzerten getraut – aus Furcht vor Enttäuschung und seiner notorischen Übellaunigkeit. Nun ist es zu spät, und ich bedaure mein Versäumnis. Farewell, alte Lederhaut.JörgWunder

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