Editorial : Sprung nach vorn

Was für ein Glück für die Berlinische Galerie, dass sie die Kunstsammlung der Gasag erhält. Hier haben eine Adresse und Kunst zusammengefunden, wie sie besser kaum zueinander passen könnten.

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Die Gasag verlässt ihren Sitz am Landwehrkanal, das Shell-Haus, für das in den letzten acht Jahren spezifische Werke erworben wurden. Die Berlinische Galerie, ohne eigenen Ankaufsetat ganz auf sich gestellt, benötigt dagegen frische Ware, um ihrem Auftrag als Landesmuseum für moderne Kunst gerecht zu werden. In unserer Beilage ist nachzulesen, wie gut sich da das eine zum anderen fügt. Die Berlinische Galerie hütet bereits den ein oder anderen Schatz, die Nachlässe großer Namen. Mit der Gasag-Sammlung aber macht sie einen Sprung nach vorn, in die Zeitgenossenschaft.

Direktor Jörn Merkert gibt im Interview Antwort darauf, ob diese großzügige Gabe nicht doch ein Danaer-Geschenk sei. Nein, lautete prompt die Erwiderung. Der Chef der Berlinischen Galerie kann sich frei heraus über die Leihgabe freuen, von der er hofft, dass sie dauerhaft im Hause bleibt. Die Gasag bleibt ihrer Verantwortung treu und übernimmt die Versicherungsgebühren, zahlt weiterhin bei restauratorischen Maßnahmen.

Dass der Umgang mit Unternehmenssammlungen trotzdem nicht ganz einfach ist, haben unsere Nachfragen unter anderem in Frankfurt am Main ergeben, wo sich zuletzt spektakuläre Wechsel von Bankhäusern in die Obhut des Städel-Museums vollzogen. Auch Künstlern fällt die Zusammenarbeit mit Firmen nicht immer leicht. Und doch profitieren sie davon, wie sich im Gespräch mit ihnen erweist. Alles andere wäre Koketterie, erklärt einer von ihnen.

Den Umzug der Gasag-Sammlung vom Shell-Haus in die Berlinische Galerie wird mit einer Ausstellung begangen. Auf unserer Panoramaseite stellen wir Werke vor, die unter anderem nun im Museum eine neue Heimat gefunden haben. In der Ausstellung „Berlin Transfer“ werden sie mit Arbeiten kombiniert, die sich bereits im Besitz des Hauses befinden. Auch Susanne Kriemann, die als Nächstes den Gasag-Kunstpreis erhält, steht mit der Berlinischen Galerie bereits auf vertrautem Fuß. In der überaus erfolgreichen Ausstellung „Berlin 89/09“ war eine Arbeit von ihr zu sehen. Nun bekommt sie im Zusammenhang mit der Preisverleihung im September eine eigene Ausstellung. Denn auch der Gasag-Preis wird fortan in der Berlinischen Galerie beheimatet sein. Wenn’s immer nur so einfach wäre. Fast klingt es nach Happyend. 

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