EDITORIAL : Technik- Opfer

Alexandra Distler

Ich habe es versucht. Kurz nachdem mir mein altes Handy aus den Händen geglitten und auf dem Steinboden in tausende kleiner Einzelteile zersprungen ist, hab ich gesagt: „Jetzt ist Schluß! Ich reduziere mich und alles um mich herum auf das Wesentliche!“. Nicht mal die IFA wollte ich besuchen, so viel unnützer Schnickschnack für so viel Geld. Also bin ich den Supermarkt und hab mir ein neues gekauft, das konnte nur telefonieren, nicht mal Fotos konnte dieses Miststück schießen. Drei Wochen hab ich es ausgehalten, hab neidisch auf die schicken Smartphones der Kollegen geschielt und ja, klar, seit zwei Tagen hab ich jetzt auch ein supermodernes, touchscreenglänzendes, viel zu großes, akkufressendes Gerät am Start. Ich lauf in der Wohnung die ganze Zeit gegen Wände, auf der Straße renn ich Menschen um und spreche eher selten. Dieser Zustand wird– Erfahrungswert– noch eine Woche andauern. Und dann, ja, dann werde ich mit diesem Wunderwerk der Technik genau eines tun: Ich werde uns beide reduzieren, auf das Wesentliche, und: telefonieren. Alexandra Distler

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