EDITORIAL : Was wagen

G,a Bartels

Was Kino kann, lässt sich dieser Tage prima an zwei Filmbeispielen lernen. An Sam Mendes’ großartigem Vorstadtmelodram „Zeiten des Aufruhrs“ und an David Leans atemberaubendem Leinwandepos „Lawrence of Arabia“. Ersteres läuft gerade im Kino (s. Kinoprogramm) und das zweite auf der Berlinale in der Retrospektive 70 mm (12. und 15.2. im International). Zwei Lovestorys, die in bleierner Enttäuschung enden. Einmal gespielt von Kate Winslet und Leonardo DiCaprio und einmal von Peter O’Toole und Omar Sharif. Zwei Ausbruchsversuche aus tödlicher Langeweile und Enge. Zweimal Blut, Schuld und Scheitern und der Triumph des Mittelmaßes, des Alltagsgeschäfts über Ambitionen und Abenteuerlust. Wobei beide Geschichten, Zeiten, Milieus, Landschaften nicht unterschiedlicher sein könnten. Gemeinsam ist den Helden, dass sie nicht feige im Stübchen sitzen, sondern was wagen. Und damit das träge Herz des Publikums einmal komplett umdrehen. Ein Spiegel sein für jedermanns Feigheit, ohne vorzugeben, Falsch oder Richtig zu kennen, das kann Kino.Gunda Bartels

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