Zeitung Heute : EHC Eisbären: Noch ein Manager

Claus Vetter

Wenn beim Eigner des EHC Eisbären Entscheidungen gefällt werden, sind diese bei dem Berliner Eishockeyteam nicht immer ganz leicht nachzuvollziehen. Das liegt wohl auch daran, dass die millionenschwere Anschutz-Gruppe in Denver zu Hause ist und dort das Sportverständnis nun mal ein anderes ist als in Europa. Das zeigen etwa die nie enden wollenden Diskussionen um Auf- und Abstieg in der der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), und wenn sie aus wirtschaftlicher Sicht noch so unsinnig sind. Ein Klub in der Fußball-Bundesliga mit einem amerikanischen Eigentümer? Kaum vorstellbar, dass wichtige Entscheidungen beim FC Bayern nicht in München gefällt werden, über den Verbleib eines Trainers in Übersee diskutiert wird und der über Gründe und Zeitpunkt seiner Entlassung nur spekulieren kann.

So oder so ähnlich ging es bei den Eisbären in dieser Saison zu. Da war auf der Geschäftsstelle die Entlassung des früheren Trainers Glen Williamson im Oktober vergangenen Jahres beschlossene Sache, doch dann wurde die Berliner Klub-Führung zurückgepfiffen. Erst am 16. November 2000 stimmte die Anschutz-Zentrale zu: Williamson musste gehen, Uli Egen kam.

Künftig soll beim EHC im Ernstfall nun zügiger verfügt werden, Chris Reynolds soll es möglich machen. Der 38-jährige Kanadier ist ab sofort sportlicher Leiter der europäischen Filiale der "Anschutz Sports Holding". Reynolds soll als Bindeglied zwischen den europäischen Klubs und der sportlichen Zentrale in Los Angeles für "schlankere und effektivere Strukturen" der Aktivitäten der "Anschutz Entertainment Group" sorgen, heißt es in einer Stellungnahme. Gestern hatte Reynolds seinen Antrittsbesuch in Berlin, zusammen mit Manager Peter John Lee wurde in einem Hotel unweit des Sportforums getagt. Reynolds freut sich laut offizieller Note auf die "große Herausforderung" als Sportdirektor.

Beim heutigen Heimspiel der Eisbären gegen die Hannover Scorpions (Beginn 19.30 Uhr, Sportforum) wird Reynolds unter den Zuschauern sein. Reynolds kennt die DEL von seiner Tätigkeit als Trainer bei den Augsburger Panthern in der Saison 1995/96. Dort war sein Engagement indes in rekordverdächtiger Zeit beendet: Nach nur zehn Spielen mit acht Niederlagen wurde Reynolds entlassen. Da lebte es sich auf dem Posten als Funktionär - mit einer Amtsbezeichnung die ebenso lang wie kryptisch erscheint - schon ruhiger: Zuletzt führte Reynolds den wohlklingenden Titel eines "Sports Development Manager" beim Eishockey-Weltverband IIHF.

Verkürzte Entscheidungswege bei den Eisbären - dann kann es also mit den Planungen für die kommende Saison losgehen, oder? Nachgefragt bei Trainer Uli Egen. In der Vorwoche war der gemeinsam mit Lee bei einem internationalen Turnier in Schweden. "Gute Spiele und interessante Spieler haben wir gesehen", berichtet Egen. Verpflichten konnte die Eisbären-Delegation allerdings niemanden. "Was soll ich machen?", sagt Egen, "schließlich habe ich noch keinen neuen Vertrag." Vielleicht sollte sich Chris Reynolds mal darum kümmern.

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