Zeitung Heute : Ein Band von Welt

Der Tesafilm ist 75 Jahre alt. Eigentlich sollte er ein Pflaster werden – klebte aber zu gut

Geschenke einpacken, Poster an die Wand heften und zerrissene Geldscheine flicken: Den Haushaltshelfer Tesa kennt – und braucht – jeder. In diesem Jahr feiert der Hamburger Beiersdorf-Konzern den 75. Geburtstag des weltberühmten Klebebands, dessen Markenname für eine ganze Produktgattung steht.

Die Tesa-Story beginnt allerdings erst einmal mit einem Misserfolg: Der Apotheker Oscar Troplowitz, Urvater des Beiersdorf-Konzerns und Erfinder der Nivea- Creme, experimentierte Ende des 19. Jahrhunderts mit einem Wundpflaster, das sich leicht wieder von der Haut lösen lassen sollte. Was er fand, war eine Klebmasse, die sehr gut haftete – nur leider als Pflaster ungeeignet war. Troplowitz führte das Produkt unter dem Namen „Citoplast“ dennoch ein: als technisches Klebeband zum Flicken von Fahrradschläuchen.

Lange nach dem Tod von Troplowitz machte der junge Bürokaufmann Hugo Kirchberg aus dem Nischenprodukt einen Welterfolg. Er kam 1934 zu Beiersdorf, entwickelte das Büro-Klebeband und übernahm auch den Markennamen Tesa – den die Beiersdorf-Sekretärin Elsa Tesmer Jahrzehnte zuvor aus zwei Silben ihres Namens gebildet hatte.

Entscheidend für den Durchbruch war der neuartige Abroller, den Kirchberg in den 30er Jahren auf den Markt brachte. Die ersten Produkte kamen 1936 heraus, der breite Erfolg setzte 1941 ein. Nach einer Hochrechnung von Beiersdorf wurden bis heute 50 Milliarden Meter des transparenten Klebefilms verkauft; damit ließe sich der Erdball rund 1250 Mal umwickeln.

Laut Vorstandschef Thomas Schlegel macht Tesa drei Viertel des Umsatzes mit Industriekunden. Das Unternehmen mit mehr als 870 Millionen Euro Umsatz und 3700 Mitarbeitern beliefert zum Beispiel die Autoindustrie und konkurriert mit anderen großen Chemieherstellern wie Henkel. Aber auch die Produzenten von Mobiltelefonen, Digitalkameras und Flachbildschirmen nutzen Tesa-Anwendungen, um ihre Produkte kleiner, flacher und leichter zu machen.

Das macht Tesa allerdings auch anfälliger für Krisen als den Mutterkonzern Beiersdorf und seine Kosmetikprodukte. Immer wieder kommen Spekulationen auf, Beiersdorf könnte sich von Tesa trennen. Doch sowohl der Konzern als auch die Hamburger Unternehmerfamilie Herz als Mehrheitseigner haben sich immer wieder hinter Tesa gestellt. dpa

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