Zeitung Heute : Ein Bayer lebt Picasso

CARLA RHODE

Verschmitzter Vollblutfilm des alternden AchternbuschCARLA RHODEPicasso ist gar nicht tot! In der Gestalt Herbert Achternbuschs lebt und arbeitet er in München weiter.Achternbuschs Haß auf Bayern, auf München insbesondere und auf die Kirche scheint verraucht, Seitenhiebe gegen München, dessen bedeutendste Hervorbringung die Brezel sei, kommen nur noch am Rande vor, und die Wiederauferweckungsszene eines Bischofs, der heilig gesprochen wurde, obwohl er ein bekannter Kindesmißbraucher war, wirkt wie ein Relikt aus einem anderen Film. "Picasso in München" ist ein mild gestimmtes Alterswerk.Sein Thema, wenn es das überhaupt so klar gibt, bezieht sich auf Achternbuschs Kreativität, auf einen Maler, der von einem Gran Unsterblichkeit träumt, es bezieht sich auf dessen Konflikt zwischen Leben und Kunst, auf seine Beziehung zu einem blutjungen Modell ..., womit wir tatsächlich ein bißchen bei Picasso angelangt sind.Der alternde Künstler im Ringelhemd und mit schwarz umrandeten Augen, mit der Schminke will er sich Picassos großäugig magischen Blick aneignen, malt nicht sich als Stier, sondern seine Muse als Kuh mit rosaroten Stöckelschuhen.Nein, wir sind doch ganz bei Achternbusch und in einem Film, in dem alles ein bißchen durcheinander geht, Albernes neben hintergründig verschmitztem Witz steht, der seit eh und je seine Stärke ist: ein Psychiater (Josef Bierbichler) vertauscht die Rolle mit seiner Patientin, drei Obdachlosen werden mit einem einzigen Hieb die Schwänze abgeschnitten, nur um eine sensationelle Filmszene zu bekommen.Kinder werden in Zeitlupe gefilmt, ein niedliches kleines Mädchen mit rotem Mäntelchen und lustiger Mütze, Achternbuschs jüngste Tochter, spielt unbefangen auf einer Trommel, und seine Filmtochter Takla Bash (Doris Jung) ist gleichzeitig sein Modell und die Frau, die er liebt ­ auch Woody Allen spukt durch diesen Film. Im Zentrum aber Achternbusch, der Maler, der er ja tatsächlich ist.Konzentriert sitzt er zwischen bunt ornamentierten Atelierwänden, mischt seine Farben, malt, prüft, wischt und kratzt.Picassos späte Bilder in frechen Variationen, das ist schon zum Lachen.Frauen besuchen ihn, seine früheren Geliebten.Freundlich, aber bestimmt schickt er sie wieder weg, ihm einen Leberkäs zu holen.Den will er malen, endlich etwas Konkretes.Er macht sich tatsächlich ans Werk, enthält uns das Bild aber vor. Am Schluß ein Opfertod.Takla Bash ist verunglückt, Achternbusch stirbt, damit sie überlebt.Flugs blendet er sich aus dem Bild, die Kamera schwenkt nach oben.Aber er ist wirklich weg, wie traurig! fsk am Oranienplatz 

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