Zeitung Heute : Ein Eigentümer über den Erwerb von Immobilien in Südfrankreich und in der Schweiz

Harald Olkus

Unterhalb des Balkons führt ein schmaler Fußweg vorbei. Dahinter liegt ein breiter Sandstrand. Und schon steht man bis zu den Knien in der schäumenden Brandung. Das Appartement an der französischen Mittelmeerküste ist Teil einer Ferienanlage mit Swimming Pool und Tennisplätzen, und wer auf das Gelände will, muss den Nummerncode am Eingangstor kennen.

Das Urlaubsparadies steht neben einer Reihe solcher Ferienstädte auf einem schmalen Sandstreifen zwischen einem großen Küstensee in der Nähe von Perpignan und dem Mittelmeer. Im Sommer flirrt die Luft vor Hitze und die Urlauber schieben sich in ihren bepackten Autos Stoßstange an Stoßstange zum Strand. Aber schon im September ist es angenehm ruhig und außer unbekleideten Rentnern gibt es nur noch Einheimische. Zur malerischen Cote Vermeille nahe der spanischen Grenze sind es wenige Kilometer, in die Pyrenäen fährt man knapp eine Stunde. "Wohnen, wo andere Urlaub machen," so ein Slogan aus deutschen Feriengebieten. Der Spruch trifft nicht ganz zu, denn Werner Karle (Name von der Redaktion geändert) macht in Südfrankreich auch nur Ferien.

Allerdings in den eigenen vier Wänden. "Ich hatte immer weniger Interesse daran, in fremden Hotels zu übernachten. Jetzt habe ich hier eine komplett eingerichtete Wohnung und kann mit kleinem Gepäck reisen", sagt der Unternehmer im Ruhestand. Vor einigen Jahren hat er seine Firma verkauft und sich ins Privatleben zurückgezogen. Etwa acht bis neun Wochen im Jahr verbringt er in seinem Appartement am Meer. Frankreich ist sehr beliebt bei deutschen Immobilienkäufern. Etwa die Hälfte der Appartements in der Ferienanlage gehört Franzosen, die andere Hälfte ist im Besitz von Ausländern. "Etwa 80 Prozent davon sind Deutsche", sagt Karle. Und auch im Hinterland seien "unheimlich viele Immobilien an Deutsche gegangen".

Ermöglicht wurde das durch eine regelrechte Landflucht der Franzosen aus den Dörfern. Deshalb sind alte Steinhäuser im Landesinneren zu Spottpreisen zu haben. Häuser sind in Frankreich billiger als in Deutschland. Daher ist nicht nur Südfrankreich bei den Käufern beliebt, sondern auch das Elsaß. Letzerer aber weniger als Feriendomizil denn als Wohnort. Viele, die in Mannheim, Karlsruhe oder Freiburg arbeiten, haben sich ein Häuschen auf der anderen Rheinseite gekauft und pendeln täglich zwischen Frankreich und Deutschland.

"Es ist kein Problem, eine Immobilie in Frankreich zu kaufen", sagt Karle. Am besten sei es, sich an einen Notar zu wenden, der gleichzeitig auch als Makler arbeitet, dann spare man einen Teil der Kosten. "Ansonsten ist es in Frankreich nicht anders als bei uns." Etwas schwieriger ist es in der Schweiz. Auch das weiß Karle aus eigener Anschauung. Denn neben seiner Wohnung an der Mittelmeerküste besitzt er noch ein Appartement im Wallis. Vier Wochen im Winter verbringt er in seinem "Chalet". Das liegt direkt neben dem Skilift. "Die Schweizer sehen Fremde nicht so gerne", sagt Karle, "deshalb haben sie für ausländische Immobilienkäufer ein paar rechtliche Hürden aufgebaut." So dürfe ein Eidgenosse seine Immobilie erst nach zehn Jahren an einen Ausländer verkaufen. Außerdem gebe es - je nach Kanton verschieden hoch - festgesetzte Kontingente, wie viele Häuser und Wohnungen an Nicht-Schweizer verkauft werden dürfen.

"Und wenn das Kontingent erschöpft ist, muß man eben warten. Bei mir hat das zwei Jahre gedauert", sagt Karle. Es sei zwar möglich, eine Wohnung oder ein Haus sofort zu erwerben, auf den Grundbucheintrag mithin die Rechtssicherheit über das Eigentum, müsse der Käufer aber warten, bis er offiziell an die Reihe komme. Trotz solcher Hindernisse lassen sich Deutsche nicht davon abhalten, sich in Schweizer Skigebieten einzukaufen. Immerhin 40 Prozent der Ferienwohnungen im Wallis gehören den Nachbarn aus Deutschland, sagt Karle. Während Ausländer in der Schweiz mit etwas höheren Immobilienpreisen rechnen müssen als Einheimische, sei in Frankreich von solchen Unterschieden nichts zu spüren.

Der Privatier hat im Wallis für sein 50 Quadratmeter großes Appartement rund 160 000 Mark bezahlt. Die gleich große Wohnung an der französischen Mittelmeerküste hat ihn dagegen rund 150 000 Mark gekostet. Er habe seine Ferienimmobilien nicht als Renditeobjekte gekauft, sondern als "Schmuckstücke", die er einmal vererben will. Dennoch hat Karle beim Kauf auf den Preis geachtet, den er bei einem Verkauf mutmaßlich erzielt: In den Schweizer Bergen sei die bevorzugte Lage direkt am Lift; das stelle den Werterhalt sicher. In Frankreich rechnet der Immobilieneigentümer langfristig sogar mit einem Preisanstieg: "Man kann die Mittelmeerküste nicht mehr unbeschränkt bebauen. Die Immobilien dort werden immer rarer - und somit wertvoller", ist er sich sicher.

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