Zeitung Heute : Ein einziger Ausreißer

Ingo von Dahlern

Es wird Ernst. Auf dem Brocken liegt der erste Schnee des kommenden Winters, der Wetterbericht kündigt Schnee- und Graupelschauer an - der Winter steht direkt vor der Tür. Und das heißt für Autofahrer, dass es jetzt höchste Zeit ist, ihr Auto mit Winterreifen auszurüsten. Liegen die bereits komplett aufgezogen und gewuchtet in der Garage bereit, dann sollte man sie in den nächsten Tagen montieren lassen. Hat man sich dagegen bis jetzt noch nicht zum Kauf von Winterreifen entschieden, dann sollte man keinen Tag länger warten.

Das gilt auch für Autofahrer, die normalerweise nur im Stadtgebiet unterwegs sind. Denn Sommerreifen taugen nun einmal nicht für tiefe Temperaturen. Denn selbst, wenn die Straßen frei von Eis und Schnee sind - von plus sieben Grad an abwärts beginnen die Laufflächen von Sommerreifen hart zu werden. Das bedeutet nicht nur Einbußen beim Fahrkomfort, sondern vor allem bei der Sicherheit. Denn die Fähigkeit der Reifen, Brems- und Querkräfte zu übertragen, nimmt mit zunehmender Verhärtung der Laufflächen dramatisch ab.

Hinzu kommt, dass moderne elektronische Assistenzsysteme wie die Fahrdynamikregelung, ob sie nun ESP, DSC oder VCD oder wie auch immer heißen mag, nicht mehr einwandfrei funktionieren, weil die Reifen nicht mehr ausreichend Kraft übertragen können. Das gilt gleichermaßen für das ABS, das mit hart gewordenen Sommerreifen nur noch bedingt tauglich ist. Natürlich muss man für Winterreifen ein wenig in die Tasche greifen. Doch selbst ein Satz nicht gerade preiswerter Winterreifen ist auf jeden Fall billiger, als die Reparatur selbst kleiner Blechschäden.

Allerdings muss man für Winterreifen das Geld auch nicht gleich zum Fenster hinauswerfen. Deshalb lohnt vor dem Kauf von Winterreifen ein Blick in die Ergebnisse des aktuellen Winterreifen-Tests des ADAC. Denn die Preisunterschiede zwischen den einzelnen Reifen sind erheblich. Da sollte man genau überlegen, für welche Eigenschaften eines Reifens man mehr und für welche man weniger ausgeben möchte. Zudem lohnt, wenn die Zeit jetzt dafür noch reicht, auch ein Preisvergleich zwischen den einzelnen Händlern.

Insgesamt 32 Reifen mussten sich diesmal bewähren. Die eine Hälfte hat die Dimension 175/65 R 13 und ist typisch für Klein- und Kompaktwagen wie den VW Lupo, den Citroën Saxo, den Seat Arosa oder den etwas größeren VW Polo, den Ford Fiesta und den Opel Corsa. Zum großen Teil werden diese Fahrzeuge in der Stadt oder als Zweitwagen eingesetzt. deshalb konzentrierten sich die Prüfer auf Reifen der Geschwindigkeitsklasse Q (bis zu 160 km/h). Einige Hersteller bieten die allerdings nicht an, sondern beginnen erst bei der Geschwindigkeitsklasse T (bis 190 km/h). In diesen Fällen hat man keine Wahl und muss den "schnelleren" Reifen wählen, der dort, wo beide Klassen verfügbar ist, oft zwischen zehn und 20 DM mehr kostet.

205/55 R 16 war die zweite Reifendimension für den diesjährigen Tests. Diese Größe passt vor allem für Fahrzeuge der kompakten Mittelklasse und der Mittelklasse, wie zum Beispiel den VW Golf und den Passat, den Audi A3, A4 und A6, den 3er von BMW oder die C-Klasse von Mercedes, um ein paar Beispiele aus dem Angebot deutscher Hersteller zu nennen. Hier gehörten alle Reifen in die Geschwindigkeitsklasse H (bis 210 km/h).

"Sehr empfehlenswert" lautet die Bestnote beim Test. Erreicht wurde sie in diesem Jahr in der kleineren Klasse von gerade einmal zwei Reifen, bei der größeren Dimension von drei Kandidaten. Fangen wir an mit den 175/65-ern, unter denen sich übrigens auch je zwei runderneuerte und je zwei Ganzjahresreifen befanden. Und als Sondergröße lief ein Spezialreifen für den Drei-Liter-Lupo mit geringerem Rollwiderstand im Format 155/65 R 14 mit. Dieser Continental WinterContact erwies sich als empfehlenswert, zeigte gute Qualitäten im Schnee. Schwächen dagegen zeigte er auf trockener Fahrbahn und beim Verschleiß.

Uniroyal MS plus 5 und Firestone FW 930 heißen die diesjährigen Testsieger. Beide sind sehr ausgewogene Reifen. So erwies sich der neue Uniroyal als besonders gut bei Nässe und auf Schnee und überzeugte auch auf trockener Fahrbahn, Zudem rollte er besonders leise ab. Mit besonders guten Leistungen auf Eis und guten auf trockener Fahrbahn und bei Nässe punktete der Firestone, der von beiden Spitzenreifen eindeutig der preiswertere ist.

Mit neuen Namen muss man sich vertraut machen bei den sechs Reifen, die mit "empfehlenswert" aus dem Rennen gingen. Denn dazu gehören neben dem Continental WinterContact TS 780 und dem Michelin Alpin auch der Nokia Hakkapeliitta NRW, der Hankook W 400 S, der Vredestein Snotrac und der Falken Eurowinter HS 435 und damit Reifen aus Finnland, Korea, den Niederlanden und Japan, die in den Köpfen vieler Autofahrer noch nicht in die vorderen Ränge eingeordnet werden. Es heißt also umzulernen. Und ganz deutlich zeigt sich, dass auch die recht preiswerten Fernost-Reifen heute zum Teil ein hohes Qualitätsniveau erreicht haben.

Mit der Note "Bedingt empfehlenswert" auf den Plätzen landeten der Fulda Kristall Gravito, der Semperit Top Grip SLG 2 und der Kleber Krisalp 3. Allerdings muss man auch hier sehr genau auf die Testergebnisse sehen. Denn auf trockener Fahrbahn ist der Fulda ausgesprochen gut. Schwächen zeigt er vor allem auf Eis, während er auf Schneerecht ordentlich ist. Ähnliches gilt für den Semperit. Und mit einer Bestnote auf trockener Fahrbahn konnte der Kleber auftrumpfen, der ebenfalls auf Eis keine Spitzenwerte erreichte. Alle drei also bei entsprechenden Einsatzbedingungen durchaus noch interessante Reifen.

Ein "bedingt empfehlenwert" erreichten auch die die beiden runderneuerten Reifen Ihle Rigdon PR 760 und der Vergölst Securo V 760, die beide bei Nässe und auf trockener Fahrbahn nicht voll überzeugen konnten. Mit einem überaschenden "empfehlenswert" schließlich absolvierte der neue Ganzjahresreifen Goodyear Vector 5 den Test. Denn auf trockener und nasser Fahrbahn erzielte er Bestnoten. Den reinen Winterreifen leicht unterlegen war er dagegen auf Schnee. Ein durchaus interessanter Reifen für alle Autofahrer, die nicht zwei Mal im Jahr die Reifen wechseln wollen also - ganz im Gegensatz zum Ganzjahresreifen Dunlop All Season M2, der als einziger Testkandidat als "nicht empfehlenswert" eingestuft wurde, weil er auf Schnee nicht überzeugen konnte. Er wird allerdings für die nächste Saison überarbeitet.

Keinen Ausreißer gab es bei der größeren Dimension. Hier erhielten der Continental WinterContact TS 790, der Goodyear Eagle Ultra Grip GW3 und der Pirelli Winter 210 Snowsport die Bestnote. Nokian Hakkapeliitta NRW, Semperit Sport Grip, Bridgestone Blizzak LM 22, Dunlop Winter Sport M3, Fulda Kristall Rotego, Pneumant PN 150 Wintec und Uniroyal MS plus 55 erreichten ein "empfehlenswert". Auf den Plätzen mit der einen oder anderen Schwäche aber auch ausgeprägten Stärken landeten der Vredestein Wintrac, der auf Schnee besonders gute und extrem leise Toyo Snowprox, der bei Nässe besonders gute Avon CR 85, der auf trockener Fahrbahn überzeugende Falken Eurowinter, der Marangoni Meteo ESC und der Viking Stop 5000. Nicht in die Wertung kam der MichelinPilot Alpin, da er erst verspätet fertig wurde.

Eines allerdings darf man nicht übersehen - auch die Winterreifen auf den hinteren Plätzen des diesjährigen Tests sind trotz ihrer verschiedenen kleinen Schwächen bei winterlichen Fahrbahnverhältnissen selbst den besten Sommerreifen haushoch überlegen.

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