Zeitung Heute : Ein Fest der Liebe – ein Fest des Tanzes

STAATSBALLETT BERLIN Mikhail Kaniskin und Nadja Saidakova tanzen die Titelrollen in „Romeo und Julia“ – John Crankos meisterhaftes Shakespeare-Ballett wird in neuer Ausstattung präsentiert.

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Mehr Passion! Georgette Tsinguirides probt mit Nadja Saidakova und Mikhail Kaniskin.
Mehr Passion! Georgette Tsinguirides probt mit Nadja Saidakova und Mikhail Kaniskin.

An seine Abschiedsvorstellung beim Stuttgarter Ballett kann sich Mikhail Kaniskin noch genau erinnern. Er interpretierte damals den Romeo in John Crankos Shakespeare-Ballett. Aufgewühlt war er und zugleich wehmütig, denn er dachte, dass er die Rolle wohl nie wieder tanzen werde. Nun gibt es eine Wiederbegegnung mit dem Werk. Das Staatsballett Berlin präsentiert den Klassiker in neuer Ausstattung. Aber es ist die Originalchoreografie von 1962, die Georgette Tsinguirides mit den Berlinern einstudiert. Bei der Premiere wird Kaniskin als Romeo die von Nadja Saidakova verkörperte Julia anhimmeln. Der Moskauer ist selig: „Ich bin unheimlich glücklich, dass ich die Rolle tanzen darf“, sagt er, und erzählt, dass er in Stuttgart noch mit den Stars der Originalbesetzung gearbeitet hat. Richard Cragun, Egon Madsen und Marcia Haydee haben damals die Schritte an die jüngere Generation weitergegeben. Auch Saidakova fiebert der Premiere entgegen: „Ich fühle mich wie eine 16-Jährige“, sagt sie lachend.

John Crankos Version von „Romeo und Julia“ gilt weltweit als das erfolgreichste Shakespeare-Ballett. „Diese Choreografie wird nie alt“, schwärmt Kaniskin. Und Saidakova ergänzt: „Ich erkenne immer mehr, wie genial das gemacht ist. Es gibt nichts Überflüssiges in diesem Ballett.“ Die beiden, das merkt man schnell, harmonieren nicht nur auf der Bühne miteinander.

Cranko ging es um die Darstellung wahrer Gefühle. Er verstand es auf meisterhafte Weise, Emotionen durch Tanz auszudrücken. Die Rollen verlangen den Tänzern auch ein darstellerisches Können ab. Aber beide lassen auch ihre Lebenserfahrung in die Rollen einfließen. „Wir bringen unsere Gefühle auf die Bühne“, erklärt Kaniskin, der sich nicht scheut, von der Liebe seines Lebens zu sprechen. Seit 12 Jahren ist er mit Elisa Carrillo Cabrero verheiratet, die wie er zu den Berliner Spitzenstars gehört, „Sie ist alles für mich“, ruft Kaniskin aus. „Sie ist meine Julia.“ Auch Saidakova glaubt: „Ohne Liebe geht gar nichts.“

Cranko schildert nicht nur den Überschwang der ersten Liebe, sondern die Unbedingtheit des Gefühls. Sein Ballett schlägt von höchster Euphorie in tiefste Tragik um. Die Todesahnung müssten sie schon am Anfang anklingen lassen, betonen beide, und dann tiefer in die Psyche hinabsteigen. Für Saidakova ist es wichtig, die Entwicklung der Julia glaubhaft darzustellen: „Dieses junge Mädchen fasst auf einmal einen Entschluss – fast wie eine erwachsene Frau.“ Die Pas de deux sind der Höhepunkt des Balletts, daneben gibt es aber auch andere tolle Szenen. Kaniskin freut sich etwa auf den Pas de trois, den Romeo mit seinen Freunden tanzt. „Wenn du eine gute Technik hast, macht es Spaß. Das ist es auch, was Georgette uns beizubringen versucht. Nicht zu denken: O mein Gott, eine tour en l'air! Sondern: „.Mein Gott, was für eine Freude!“

Jede Frau im Publikum wird sich wie Julia fühlen, und jeder Mann den Romeo in sich entdecken, da sind sich Saidakova und Kaniskin sicher. „Es wird ein Fest der Liebe“, glaubt Kaniskin. Und ein Fest des Tanzes.

SANDRA LUZINA

Deutsche Oper, Premiere 9.2., 19.30 Uhr

12.2., 18 Uhr und 17.2. 19.30 Uhr

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