Zeitung Heute : Ein Fett für alle Fälle

Lysophospholipide als Forschungsgebiet

Matthias Manych

Der Name klingt nach schwerer organischer Chemie: Lysophospholipide. Dahinter stecken verschiedene Fettmoleküle, die von Kopf bis Fuß Bestandteil unserer Zellmembranen sind. Das ist sicherlich nützlich, aber längst nicht alles. Tatsächlich scheinen Wissenschaftler einer Gruppe molekularer Tausendsassas auf der Spur zu sein, denn die Lipide sind an verblüffend vielen biologischen Prozessen beteiligt. Einer, der die Lysophospholipide sehr genau unter die Lupe genommen hat, ist Burkhard Kleuser vom Institut für Pharmazie der Freien Universität. Seine Forschungsarbeiten könnten dazu beitragen, einen besseren Schutz vor Artereosklerose zu entwickeln und die Rolle dieser Lipide bei Erkrankungen der Haut, des Immunsystems oder bei Krebs aufzuklären.

Das „gute“ Cholesterin HDL schützt vor verkalkten Blutgefäßen, weil es Cholesterin von den Gefäßen zurück zur Leber transportiert und die Bildung von Stickstoffmonoxid (NO) fördert. Hohe NO-Konzentrationen erhalten die Flexibilität der Innenwand unserer Blutgefäße und schützen so vor beziehungsweise bei Arteriosklerose. Ursächlich für den gesunden NO-Gehalt sind die Lysophospholipide, die auch fester Bestandteil der HDL-Moleküle sind. Die gefäßschützenden Prozesse mit ihren Signalwegen will Kleuser gemeinsam mit Markus van der Giet von der Abteilung Nephrologie, Medizinische Klinik IV, des Benjamin-Franklin-Klinikums (Charité) in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt aufklären. Dafür werden Blutproben von Patienten mit Niereninsuffizienz analysiert, da eine der häufigsten Folgen dieser Krankheit Arteriosklerose ist.

Möglicherweise kann auch die Frage beantwortet werden, warum, wie einzelne Hinweise andeuten, bei Frauen die NO-Bildung ausgeprägter ist als bei Männern. Schuppenflechte, Autoimmunreaktionen, Bildung neuer Blutgefäße oder von Bindegewebe, auch hier spielen offenbar Lysophospholipide eine wichtige Rolle. Diese harte Forschungsnuss versucht der Pharmakologe Burkhard Kleuser mit Hans-Ulrich Reißig vom Institut für Chemie der FU in einem zweiten, ebenfalls von der DFG geförderten Projekt zu knacken.

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