Zeitung Heute : Ein Fingerzeig

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat bei der Parlamentswahl eine Schlappe erlitten.

Blau gemacht. Ein Junge posiert mit Tinte am Finger – wählen durfte er nicht. Foto: Reuters
Blau gemacht. Ein Junge posiert mit Tinte am Finger – wählen durfte er nicht. Foto: ReutersFoto: REUTERS

Teheran - Eine Gruppe von konservativen Ahmadinedschad-Gegnern hat bei der Parlamentswahl im Iran offenbar eine Mehrheit der 290 Sitze im Parlament gewonnen. Dies teilten iranische Medien am Samstag mit. Das Ergebnis bedeutet eine schwere Niederlage für Präsident Mahmud Ahmadinedschad. Denn aussichtsreichster Kandidat bei der Präsidentenwahl im Jahr 2013 ist nach seinem guten Abschneiden bei der Wahl am Freitag der 53-jährige Parlamentspräsident Ali Laridschani. Mit ihm ging ein Lager von Konservativen gestärkt aus der Wahl hervor. Das vorläufige amtliche Endergebnis wird allerdings erst am Sonntag vorliegen.

Der ehemalige Chefunterhändler in den Atomgesprächen mit dem Westen, Laridschani, hat damit beste Chancen, bei der Präsidentenwahl 2013 die Nachfolge seines erbitterten Feindes Ahmadinedschad anzutreten. Der amtierende Präsident darf zwar nicht mehr kandidieren, wollte aber seine Macht an einen Mann aus dem eigenen Lager übergeben.

Die Beteiligung bei den Parlamentswahlen lag offenbar bei 66 Prozent. Das wäre sogar ein Prozentpunkt mehr als bei der Parlamentswahl von 2008. Die Opposition nennt die Angaben frisiert. Die Reformer hatten zu einem Wahlboykott aufgerufen.

Die Parlamentswahl war der erste Stimmungstest in der Bevölkerung seit der umstrittenen Wiederwahl Ahmadinedschads 2009. Die Opposition sprach damals von Wahlbetrug. Die Verschiebung der Machtbalance im Iran hat vor allem Einfluss auf die Innen- und Wirtschaftspolitik. Eine Änderung des Kurses in den Atomgesprächen mit dem Westen wird nicht erwartet. Die Entscheidungsgewalt liegt hier beim religiösen Führer und Staatsoberhaupt des Landes, Ajatollah Ali Chamenei. Im Atomstreit hat US-Präsident Barack Obama sowohl die Führung im Iran als auch in Israel ausdrücklich darauf hingewiesen, die Entschlossenheit seiner Regierung ernst zu nehmen, den Iran mit allen nötigen Mitteln am Bau einer Atomwaffe zu hindern. Am Montag empfängt Obama den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu. dpa

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