Zeitung Heute : Ein Fuchs macht noch keinen Ärger Warum es gut steht

um das Verhältnis zu Israel

Charles A. Landsmann[Tel Aviv]

Das Verteidigungsministerium in Tel Aviv lässt in diesem Fall keinen Zweifel aufkommen: „Natürlich sind die israelisch-deutschen Beziehungen gut. Man darf nur nicht alles an die Öffentlichkeit zerren.“ Die Weigerung der Bundesregierung, gepanzerte Truppentransporter vom Typ Fuchs nach Israel zu liefern, wurde zwar mit großem Bedauern zur Kenntnis genommen, doch „ändert sie nichts am grundsätzlichen Charakter der gegenseitigen Beziehungen“.

Außerdem könnte Israel, so meldet es die angesehene Zeitung „Haaretz“, statt des Fuchs auch den leichteren Dingo erwerben. Demnach sei ein Verkauf dieses ebenfalls gepanzerten Fahrzeugs unproblematischer, weil er „nicht die Bewilligung von so hoher Stelle erfordert wie bei den Schützenpanzern“. Überraschend kommt diese Meldung vor allem deshalb, weil sich das offizielle Israel schon immer bemüht hat, bei Waffenkäufen (Ausnahme USA) und -verkäufen mit größter Diskretion vorzugehen, nicht nur gegenüber Deutschland.

Am Rande der israelisch-deutschen Rüstungsverhandlungen, waren sich die Beteiligten einig, ein Beobachter sagt: „Die Zeiten haben sich geändert. Früher hatten wir Israelis Vorbehalte gegen deutsche Waffen aus Rücksicht auf Holocaust-Überlebende. Heute haben die Deutschen Vorbehalte wegen des möglichen Einsatzes solcher Waffen gegen palästinensische Terroristen.“ Nach wie vor wird die Bundesregierung als sehr Israel-freundlich angesehen. Außenminister Joschka Fischer wird in den israelischen Medien wohl als einziger europäischer Politiker als „wahrhaftiger Freund bezeichnet“.

So besucht Staatspräsident Moshe Katzav mit Deutschland und Italien die „beiden Israel am besten gesinnten europäischen Staaten“. Und trotzdem schleichen sich Misstöne ein: Aus Jerusalemer Sicht sorgt die immer kritischer werdende Haltung Europas im Konflikt mit den Palästinensern für wachsende Spannungen.

Vor diesem Hintergrund haben deutsch-israelische Wirtschaftskreise die Initiative ergriffen: Am Montag eröffneten sie auf der Tel Aviver Rathausterrasse eine dreitägige Ausstellung unter dem Namen „Isragerma“, „die die partnerschaftliche Verbundenheit Deutschlands mit Israel unterstreichen soll“. Diese wichtige öffentliche Bekundung hat Symbolkraft, aus israelischer Sicht. Die Tatsache, dass es einer solchen bedarf, lässt zweifelnde Stimmen laut werden: Vielleicht, so befürchten manche, ist doch nicht alles so konfliktfrei zwischen den beiden Staaten, wie es die offiziellen Stellen nach außen darzustellen versuchen.

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