Zeitung Heute : Ein Gewinn für die seriöse Fernsehlandschaft

Mechthild Zschau

Maischberger. n-tv. Sie ist nicht blond. Und gar nicht süß. Auch wenn sie manchmal so ein kleines Lächeln aufsetzt wie eine schmeichelnde Brille. Mit Sandra Maischberger ist nicht gut Kirschen essen, denn sie ist eine Journalistin, die ihr Metier beherrscht. Sie fragt schnell, präzise, fällt am Anfang ein bißchen zu ungeduldig ins Wort. Tempo, Tempo, der nächste Werbeblock wartet schon. Da erstarrt das Gesicht der Rita Süssmuth langsam, ihre Antworten verlieren die diplomatischen Windungen. Das Thema ist ja nun auch unangenehm genug: CDU-Spenden-Affäre, was sonst. Hat sie selbst Spenden entgegengenommen? - Ja, 5000 Mark, ordentlich verbucht. - Soll Rau eine Rede halten, wo er doch selbst ... - Wer wirft den ersten Stein? - Hat Kohl die Verfassung gebrochen? - Ja. So sieht keine gemütliche Talkshow am Nachmittag aus. Nach der Werbeunterbrechung steht ein zweiter Gast im bläulich wabernden Studio: Horst Eymann, Ex-CDU-Bundestagsabgeordneter. Und jetzt beginnt etwas ganz Ungewöhnliches: ein gemeinsames, ganz und gar nicht selbstgefälliges Nachdenken über Macht, Unrechtsbewusstsein, allfällige Sanktionen und die Kraft der Demokratie. Und schon ist die halbe Stunde verflogen, eine Menge Fragen sind gestellt, und ein großer Ausschnitt vom Hintergrund der schaurigen Affäre liegt bloß. "Maischberger" ist, dem blöden Titel und affigen Star-Vorspann zum Trotz, ein Gewinn für die seriöse Fernsehlandschaft.

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