Zeitung Heute : Ein Glas eigenen Rotwein unter einem Himmel voller Sterne

Christof Hardebusch

Ein Paar kaufte sich am Ungarischen Plattensee ein Haus mit WeinbergChristof Hardebusch

Sternenklar ist die Nacht und warm. Wir sitzen am Ufer des Balatons. Im Rücken die Berge, vor uns das stille große Auge des Sees: Ungarn ist ein Paradies, für uns, heute. So schwärmen unsere Freunde aus Friedrichshain über ihre Abende am Balaton. Sie verbringen viele Nächte dort, denn das kleine Haus gehört ihnen. Es war sehr günstig. Der schwere Rotwein, den sie ihren Gästen großzügig einschenken, kostet sie weniger Geld als Schweiß. Denn der Weinberg, an dem er wächst, ist auch ihr Eigentum.

Weil sie diesen Weinberg besitzen, möchten unsere Freunde anonym bleiben. Denn als Ausländer hätten sie den Weinberg eigentlich nicht kaufen dürfen. Landwirtschaftliche Nutzflächen dürfen nur Einheimische in Ungarn besitzen. Also gelangen Ausländer an Weinberge nur über einen Strohmann. Wer hängt diese Umgehungsstrategie schon gerne an die große Glocke? Ganz anders verhält es sich mit Häusern und Wohnungen. Hier gelten keine Beschränkungen bei einem Erwerb durch Ausländer. Besonders beliebt bei deutschen Käufern sind Ferienimmobilien rund um den Balaton, zu Deutsch: Plattensee.

Dessen Ufer sind Deutschen aus den neuen Bundesländern noch in guter, ja in bester Erinnerung: "Viele Menschen aus der ehemaligen DDR haben sich hier ein Haus gekauft", berichtet Kroli Gombai, Leiter des Ungarischen Außenhandelsbüros in Berlin. Mit 78 Kilometern Länge und bis zu zwölf Kilometern Breite ist der Balaton ein Dorado für alle Arten von Wassersport. Davon machen im Sommer nicht nur Ungarn, sondern auch Urlauber aus den "sozialistischen Bruderländern" weidlich Gebrauch. Sie schreckten offenbar auch nicht vor der Tatsache zurück, dass das Wasser alles andere als sauber war. Bis Anfang der 90er Jahre leiteten die Kommunen Fäkalien und Industrieabwässer ungeklärt in den See. Doch diese Zeiten sind vorbei. Seit der Öffnung des Ostblocks ist Tourismus eine gute Einnahmequelle. Klärwerke reinigen inzwischen die Abwässer. Die Wasserqualität gilt als gut.

Nicht nur die Regierung, sondern auch viele Privatleute haben die im Tourismus liegende Chance erkannt. Rund um den See wimmelt es von Ferienimmobilien. Einliegerwohnungen, Datschen, Einfamilienhäuser, aber auch Mehrfamilienhäuser mit großen Grundstücken - "Es gibt nichts, was es nicht gibt", sagt Gombai. Über die Höhe der Preise entscheidet die Lage. Direkt am See schlagen Einfamilienhäuser mit recht großen Grundstücken mit mindestens 120 000 Mark zu Buche, Eigentumswohnungen sind schon ab 80 000 Mark zu haben.

Etwas weiter landeinwärts wird der Immobilienerwerb zur Nord-Süd-Frage. Im Norden lockt eine reizvolle Kulturlandschaft, geprägt von Vulkankegeln, Weinbergen, schönen Tälern und alten Städtchen mit vielen Denkmäler. Was aber gut für die Seele ist, ist schlecht fürs Portemonnaie: Hier kosten Ferienhäuser genauso viel wie am Ufer. Weniger beliebt sind dagegen die Lagen am Südrand des Balatons, weil die Landschaft hier flach ist. Wer mehr als 2000 Meter Entfernung zum See hinnimmt, zahlt für sein Urlaubsdomizil 30 bis 50 Prozent weniger als am Nordufer.

Der ungarische Staat übertrug diese Lagenlogik in sein Steuersystem. Wer auf dem flachen Land kauft, muss für den Grunderwerb nur zwei Prozent Steuern zahlen. Wechselt dagegen ein Haus am See den Eigentümer, verlangt der Staat bis zu zehn Prozent des Kaufpreises zur Aufbesserung seines Haushaltes. Gemessen an hiesigen Preisen ist das immer noch günstig. Dafür aber auch ganz weit draußen: Rund 2000 Kilometer müssen Berliner zurücklegen, bevor sie die Gestade des Balatons erreichen.

Wer sich unverbindlich umschauen will, kann das im Internet tun. Die Suchanfrage "Ungarn-Ferienimmobilien" bringt mehr als 3000 Antworten. Für die Suche nach einer konkreten Immobilie empfiehlt Außenhandelsleiter Gombai aber nicht das Internet, sondern seine Landsleute vor Ort: "Ungarische Makler haben ein vielfältigeres und besseres Angebot. Ausserdem sind sie günstiger als deutsche Makler." Drei Prozent der Kaufsumme darf ein Makler für seine Dienste verlangen. "Viele nehmen weniger. Mehr würde ich auf keinen Fall zahlen", sagt Gombai. Selbst achten muss der Kaufinteressent auf die Ausstattung ungarischer Immobilien. Vor allem in kleineren Ortschaften führt das Abflussrohr von der Haustoilette oft nicht in die Kanalisation, sondern in eine Sickergrube. Solche Gruben muss der Eigentümer regelmäßig abpumpen lassen.

Liegt das Haus an einer Straße, die schon an die Kanalisation angeschlossen ist, sollte sich das in Preisabschlägen manifestieren. Gibt es eine Kanalisation, dann muss der Eigentümer sein Haus auch anschließen. Das ist Pflicht in Ungarn. Die Anschlusskosten kommen dann zusätzlich auf den Erwerber zu. Wirtschaftliche Verluste in ganz anderen Größenordnungen drohen neuen Eigentümern einsam gelegenen Ferienhäusern. Hier wird des Öfteren eingebrochen. Deshalb raten Experten von "Ungarn-Immobilien" eher ab vom Erwerb einsam gelegener Objekte. "Ungarn-Immobilien" ist ein Zusammenschluss mehrerer dortiger Makler.

Wer das passende Ferienhaus gefunden hat, sollte als Nächstes den Weg zum Bürgermeister der betreffenden Gemeinde einschlagen. Der wichtigste Mann am Ort muss jedem Immobilienerwerb zustimmen. Das tut er nach Auskunft von Ungarnkennern in der Regel auch. Erst wenn diese Formalität erledigt ist, sollte man weitere Schritte einleiten. Dabei raten Experten, auf jeden Fall einen ungarischen Rechtsanwalt mit der Abwicklung zu beauftragen. Für dessen Dienste muss ein Käufer noch einmal ein bis zwei Prozent der Kaufsumme einplanen. Auf Pump lassen sich eigene vier Wände in Ungarn nicht finanzieren. Den dortigen Banken fehlen die Rücklagen für solche Geschäfte. Kredite für Immobilien sind daher gar nicht oder nur schwer zu bekommen. Den Kaufpreis überweist der Erwerber am Besten von Deutschland aus auf ein von ihm angelegtes, ungarisches Konto. Die ungarische Bank kann das Geld dann an den Verkäufer überweisen.

Richtig abgewickelt ist ein Kauf aber erst, wenn der neue Eigentümer im Grundbuch eingetragen ist. Manche Makler erzählen zwar gerne die Anekdote von dem Haus, das gleich mehrfach verkauft wurde. Doch im Allgemeinen, so Außenhandelsleiter Gombai, genüge die ungarische Rechtskultur inzwischen westeuropäischen Standards. Das gelte auch für die Konsumgüter: "Frisch gebackene Hausbesitzer sollten nicht ihre alten Möbel nach Ungarn schleppen. Hier gibt es alles und das sehr günstig."Beratung und Kontaktadressen bietet das Ungarische Außenhandelsbüro in Berlin, Telefon: 247 297 82 und die Deutsche Schutzvereinigung Auslandsimmobilien (DSA), Tel.: (0761) 550 12. Angebote und Informationen im Internet:

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