Zeitung Heute : Ein Hauch von Luxus

Die Pflege von Gardenien ist nicht ganz einfach

Heike Deissler

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die Gardenie groß in Mode. Damals schmückte sie jedoch weniger die Zimmer als vielmehr die Brust elegant gekleideter Herren. Die auffälligen Blüten mit dem intensiven Duft gaben – ins Knopfloch gesteckt – dem Mann von Welt den letzten Schliff. Um der Nachfrage Herr zu werden, wurden Gardenien damals vor allem in den USA und Frankreich in großer Zahl gezüchtet. Heute sorgt die elegante Schönheit im Zimmer oder Wintergarten für Aufsehen.

Die Gattung Gardenia zählt zur Familie der Krapp- oder Rötegewächse (Rubiaceae) und ist mit zahlreichen Arten in den subtropischen und tropischen Gebieten Ostasiens und Afrikas verbreitet. Nach Europa kam die Gardenie um 1750. Ihren Namen erhielt sie nach dem schottischen Arzt und Naturforscher Alexander Garden, der im 18. Jahrhundert in Charleston lebte und einer der botanischen Berichterstatter Linnés war.

Für die Zimmerkultur eignet sich nur eine Art, die aus China stammende Gardenia augusta (früher: Gardenia jasminoides). Sie war es auch, die als „Knopflochblume“ Karriere machte. Während der immergrüne, dicht verzweigte Strauch am heimatlichen Standort bis 1,50 Meter hoch wird, bleiben die Topfpflanzen meist deutlich kleiner. Gardenia augusta wird auch als attraktives Hochstämmchen angeboten. Über dem auffallend glänzenden dunkelgrünen Blattkleid erscheinen – je nach Sorte im Sommer oder Winter – große wachs- bis reinweiße, seltener gelbe Blüten mit bis zu zehn Zentimetern Durchmesser. Die Blüten der Zuchtformen sind meist gefüllt und ähneln Kamelien- oder Rosenblüten. Sie verströmen einen intensiven Duft, der sich in manchem Parfum wiederfindet. Duft und Aussehen führten auch zum Zweitnamen Jasminrose. Gardenia augusta gibt es in vielen Sorten. Sie unterscheiden sich nicht nur in der Blütenform und -farbe, sondern blühen auch zu unterschiedlichen Zeiten. Die Sorte ‚Veitchii' beispielsweise erfreut uns im Winter mit ihrem Blütenschmuck.

Die Pflege von Gardenien ist nicht ganz einfach. Daher sind sie, obwohl nicht schwer zu bekommen, noch heute von einem Hauch Exklusivität umgeben. Die Pflanzen benötigen ganzjährig einen freien, luftigen Standort und viel Licht. Vor praller Sonne müssen sie jedoch geschützt werden. Ideal ist daher ein West- oder Ostfenster. In schönen Sommern können sie auch ins Freie übersiedeln, jedoch frühestens im Juni und erst nach sorgsamer Abhärtung. Man sollte dem empfindlichen Gewächs einen halbschattigen, warmen und geschützten Platz reservieren und es bereits Anfang September wieder in die Wohnung holen.

Wenn sich die Knospen bilden, sollten Gardenien nicht wärmer als 18 Grad Celsius stehen und nicht gedreht oder umgestellt werden, um einem möglichen Knospenfall vorzubeugen. Während der Blüte wiederum kann das Thermometer bis auf 21 Grad Celsius steigen. Die winterlichen Idealtemperaturen richten sich nach dem Blühzeitpunkt: Sommerblüher fühlen sich im Winter bei 12 bis 15, Winterblüher bei 16 bis 18 Grad Celsius wohl.

Neben ausgeglichenen Lufttemperaturen ist eine gleichmäßige Bodenwärme sehr wichtig. Kalte „Füße“ sind Gift für Gardenien. Die Folgen sind Wurzelfäule und Blattfall. Die Pflanzen – sie dürfen nicht austrocknen – werden mäßig feucht gehalten. Gegossen wird nur mit weichem, zimmerwarmem Wasser. Entsprechend ihrer tropischen Herkunft brauchen Gardenien eine hohe Luftfeuchtigkeit: Optimal sind 60 Prozent. Wer kein spezielles Blumenfenster oder einen Wintergarten besitzt, sollte Verdunsterschalen aufstellen und die Pflanzen regelmäßig mit weichem, temperiertem Wasser besprühen. Doch Vorsicht: Knospen und Blüten dürfen nicht feucht werden.

Gardenien lieben ein saures Bodenmilieu. Im Sommerhalbjahr bekommen sie daher ein Mal pro Woche eine schwach dosierte Portion kalkfreien Dünger, sonst alle drei bis vier Wochen. Die Erde sollte einen pH-Wert von fünf nicht überschreiten, da es sonst zum Vergilben der Pflanze kommt. Mit Eisendünger kann man dann zwar die Symptome beheben, nicht aber die Ursache. Auch beim Umtopfen ist darauf zu achten, dass der pH-Wert der Erde im Topf stimmt. Wird Einheitserde genommen, muss 50 Prozent Torf zugesetzt werden. Jüngere Pflanzen sollten alle ein bis zwei Jahre, ältere alle drei bis vier Jahre – stets vor Austriebsbeginn – umgetopft werden. Dabei ist darauf zu achten, dass die feinen Wurzeln nicht verletzt und die Pflanze nicht tiefer oder höher gesetzt wird als vorher. Verkahlten Pflanzen bekommt ein kräftiger Rückschnitt im Frühjahr. Auch jüngere Exemplare sollten dann etwas gestutzt werden, damit sie sich besser verzweigen.

Gardenien sind anspruchsvolle Geschöpfe, die sich aber für aufmerksame Pflege mit verschwenderischer Blütenfülle und unvergleichlichem Duft bedanken.

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