Zeitung Heute : Ein hoher Preis für gute Übertragungsraten

MAURICE SHAHD

Die Gründer der TCP/IP GmbH, Sascha Zumbusch und Heiko Blume, gehören zu den stadtbekannten Pionieren im Internet-Bereich in Berlin.Bereits seit 1988 sind sie im Geschäft mit den Datenleitungen.Im Jahr 1994 gründeten sie die TCP/IP GmbH und bieten seitdem Internet-Dienstleistungen unter dem Label "Contrib.Net" vor allem für Geschäftskunden an.Aber auch die privaten Kunden sollen nicht zu kurz kommen."Unser Angebot richtet sich vor allem an den ambitionierten Privatuser, der hohe Zuverlässigkeit und Schnelligkeit erwartet", erklärt Christian Helwig, Pressesprecher von TCP/IP.Und die hat bei TCP/IP ihren Preis.Für 35 Mark im Monat bekommt der Nutzer einen analogen Internet-Anschluß, der werktags in der Zeit von 16 bis 9 Uhr sowie an den Wochenenden zugänglich ist.Der Abruf von E-Mails ist außerhalb dieser Zeiten nicht möglich.Wer sich per ISDN einwählen möchte, zahlt 58 Mark im Monat.Die Einrichtung einer privaten Homepage ist bei beiden Tarifen nicht möglich, da kein Speicherplatz auf dem Server des Providers zur Verfügung gestellt wird.



Das recht hohe Preisniveau von TCP/IP begründet Helwig mit den hohen Leitungspreisen der Telekom, die im europäischen Vergleich "lachhaft teuer" seien."Wenn sich das nicht bald ändert, haben wir in Deutschland bald ein Strukturproblem", fügt Helwig hinzu.Damit hat der Pressesprecher zwar grundsätzlich recht, doch sind andere Anbieter in der Lage, ordentliche Internet-Verbindungen für Privatkunden - insbesondere per ISDN - auch für weniger Geld anzubieten.

Dafür wartet TCP/IP mit einigen Besonderheiten für Geschäftskunden auf.Der Provider betreibt ein eigenes Netz, ein sogenanntes Backbone, mit Einwahlpunkten unter anderem in Frankreich, Großbritannien und den skandinavischen Ländern.Zudem ist TCP/IP Mitglied in einer internationalen Roaming-Allianz namens iPass.Die über 2700 Mitglieder des Verbundes sind lokale Provider in 151 Ländern und mehr als 1500 Städten."Die Kunden dieser Provider können sich mit Hilfe einer speziellen Software bei dem örtlichen Anbieter einwählen und ihre E-Mails abrufen oder im Internet surfen", erläutert Helwig.Dafür zahlt der Kunde einmalig 100 Mark sowie 10 Mark für jeden Monat, in dem das Internet-Roaming genutzt wird.Außerdem kommen neben den örtlichen Telefongebühren die Nutzungsgebühren des jeweiligen Providers hinzu, die im Durchschnitt sechs Mark pro Stunde betragen.Der weltweite Zugriff auf das Internet ist also nicht ganz billig und daher eher für professionelle Anwender interessant.

Grundsätzlich sollte die örtliche Erreichbarkeit eines Providers, und damit die Verfügbarkeit des Internets, für den Kunden ein Kriterium bei der Auswahl eines Anbieters sein.Dabei sollte der User sein eigenes Nutzungsverhalten kennen.Insbesondere Geschäftsleute sind viel unterwegs und schätzen es, überall auf das Internet - oder das unternehmenseigene Intranet - zugreifen zu können.Aber auch für die privaten User wird es in Zukunft immer wichtiger sein, an jedem Ort per E-Mail zu kommunizieren oder dringend notwendige Informationen aus dem Internet zu beziehen.Viele lokale Provider verfügen nur über einen einzigen Einwahlknoten in Berlin.Wer im Berliner Umland wohnt, hat bei der Suche nach einem geeigneten Anbieter eine weitaus geringere Auswahl, da eine Einwahl in Berlin zum Ortstarif nicht möglich ist.Die Einrichtung von Einwahlpunkten im Berliner Umland scheint für viele Provider einfach zu teuer."Jeder einzelne Ortsbereich mit eigener Vorwahl müßte mit der entsprechenden Technik ausgestattet und regelmäßig gewartet werden - das lohnt sich nicht", erklärt Heiko Blume, Geschäftsführer von TCP/IP.Den potentiellen Kunden in dünn besiedelten Gebieten bleibt dann oft nur der Gang zu den großen und vor allem teuren Online-Diensten wie T-Online oder AOL.Viele Provider - und dazu gehört eben auch TCP/IP - schließen sich daher auf nationaler Ebene in sogenannten Roaming-Allianzen zusammen und rechnen die von den jeweiligen "Fremdkunden" genutzte Online-Zeit miteinander ab.



Bereits seit Jahren ist das Unternehmen im Bereich des Kultursponsoring aktiv."Wir fördern Kulturprojekte, um dem Internet zu mehr Inhalt und somit zu mehr Attraktivität zu verhelfen", erklärt Helwig.Einrichtungen wie dem Kunsthaus Tacheles, dem Podewil oder der Brotfabrik werde ein kostenfreier Internetzugang zur Verfügung gestellt und die Einrichtung und Pflege einer Homepage ermöglicht.Neben Kunst und Kultur fördert TCP/IP auch die Deutsche AIDS-Hilfe.



Zum Test: Die Einrichtung des Zugangs unter Windows95 verlief problemlos.Eine Installationsanleitung wird nicht mitgeliefert, auch keine Software für das Internet - eine CD-ROM soll laut Helwig in Arbeit sein.Auf der Homepage (www.contrib.net) des Providers finden sich wenig interessante Informationen für Privatkunden, von den Links zu den geförderten Kultureinrichtungen abgesehen.Auch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen fehlen.Dafür kann der Dienst bei der Geschwindigkeit überzeugen.Die 486 Kilobyte große Testdatei wurde analog relativ konstant in einer Minute und vierzig Sekunden übertragen.Dabei wurde eine Download-Geschwindigkeit in Höhe von maximal 4,4 Kilobyte pro Sekunde erreicht.Im Durchschnitt lag die maximale Übertragungsrate bei 3,8 Kilobyte pro Sekunde.



Die TCP/IP GmbH bietet Privatkunden zwar einen schnellen Zugang, doch ist dieser zeitlich beschränkt und insbesondere für Nutzer von ISDN im Vergleich zu anderen Anbietern recht teuer.Selten auch, daß kein Webspace für die eigene Homepage zur Verfügung gestellt wird.Nur aufgrund der hohen Übertragungsraten erhält der Provider noch die Bewertung "knapp befriedigend".

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