Zeitung Heute : Ein hoher Preis

Warum PC-Spiele teurer werden – und kurzlebiger

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Die Eroberung des Weltraums ist ein teures Vergnügen. Das gilt immer stärker auch dann, wenn die fremden Galaxien im Rahmen eines Computerspieles besiedelt werden. Es ist keine astronomische Grenze, aber die 50Euro-Marke überschreiten einige Titel jetzt schon. Das inzwischen indizierte Kriegsspiel „Command & Conquer: Generals“ zum Beispiel oder „Unreal II“ kamen erstmals zu empfohlenen Verkaufspreisen von 54,99 Euro in die Läden. Bei „Master of Orion 3“ kommen Käufer mit 52,99 Euro nur unwesentlich günstiger davon.

„Für diese Preise gibt es verschiedene Gründe“, sagt Frank Hermann von Electronic Arts in Köln, der Entwickler-Firma von „Command & Conquer: Generals“. „Da sind zum einen die gestiegenen Ansprüche der Nutzer und auch die längeren Entwicklungszeiten sowie der hohe Aufwand für aktuelle Top-Spiele.“ So habe das Entwicklungsteam des Echtzeit-Strategiespiels in der Endphase bis zu 100 Mitarbeiter beschäftigt.

Christian Holowaty, Chefredakteur der Fachzeitschrift „MCV“ (Markt für Computer- und Videospiele) in Fürth, sieht ebenfalls den erhöhten Entwicklungsaufwand moderner Spiele als zentralen Grund für die gestiegenen Preise. „An vielen Titeln wird heute 18 bis 24 Monate gearbeitet. Bei einem internationalen Spiel bedeutet dies Entwicklungskosten von kaum unter zwei Millionen Euro.“ Als Beispiel nennt er die aktuelle Version des Sport-Titels „Fifa Soccer“ – während an den Vorgängern einst jeweils um die 50 Menschen gearbeitet haben, habe man das Entwicklungsteam nun auf 100 Mitarbeiter aufgestockt.

Womöglich sind selbst die neuen Preise der PC-Spiele noch nicht die Obergrenze. Bernd Berheide von Infogrames in Frankfurt, das Spiele wie „Unreal II“ und „Master of Orion“ auf den Markt gebracht hat, weist darauf hin, dass Titel für Spielekonsolen im Schnitt 59 Euro kosten. „Viele PC-Spiele haben den gleichen Inhalt wie die entsprechenden Konsolen-Titel – es ist daher nicht zu verstehen, warum sie wesentlich billiger angeboten werden sollten.“ Es gebe aber auch eine Reihe von PC-Spielen, die nicht zu den großen Titeln des Genres gehören und daher durchweg zu weit günstigeren Preisen im Handel seien.

Dann doch: 50, 30, 20 Euro

Zusätzlich macht Berheide auf ein Problem der Spiele-Hersteller aufmerksam: „Die Lebensdauer der Titel wird immer kürzer.“ Während Top-Titel früher für lange Zeit zum vollen Preis in den Regalen standen, müssen sie heute schon nach wenigen Monaten zu deutlich günstigeren Konditionen angeboten werden, um noch Käufer zu finden.

Abgesehen davon musste die Branche im vergangenen Jahr manchen Rückschlag einstecken: So geht Hermann Achilles, Geschäftsführer des Verbandes der Unterhaltungssoftware Deutschland (VUD), davon aus, dass es beim Verkauf von PC- und Videospielen im Jahr 2002 einen Rückgang um fünf bis zehn Prozent gegeben hat.

Verbraucherschützer wie der Medienpädagoge Heiko Wichelhaus von der Verbraucher-Zentrale Nordrhein- Westfalen weisen bei den hohen hohen Preise darauf hin, dass „den Spielen immer aufwendigere Entwicklungen“ zu Grunde liegen. Wer jedoch nicht regelmäßig die Summen für solche Spiele ausgeben will, sollte sich einfach mal in Geduld üben: „Was jetzt gut 50 Euro kostet, wird nach einiger Zeit auch für 20 oder 30 Euro zu haben sein.“ dpa

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