Zeitung Heute : Ein Indianer kennt keinen Schmerz

NIZZA .Der Faktor Wartezeit vor dem zweiten WM-Gruppenspiel der deutschen Nationalmannschaft wird für Berti Vogts bei den Personalplanungen zum Verbündeten.Drei Tage vor der Partie gegen Jugoslawien konnte der Bundestrainer wieder Hoffnung schöpfen, daß Mittelfeldspieler Jens Jeremies bis zum Anstoß am Sonntag in Lens doch noch rechtzeitig die Sprunggelenkverletzung im rechten Fuß überwinden wird.Der 24 Jahre alte Sachse nahm schon gestern wieder das Lauftraining auf und verblüffte sogar die medizinischen Experten des DFB."Der ist schmerzunempfindlich von der Hüfte bis nach unten", sagte Masseur Oliver Schmidtlein anerkennend über den zukünftigen Bayern-Spieler.Und Pressesprecher Wolfgang Niersbach verkündete in Vertretung von Bundestrainer Berti Vogts: "Jeremies spielt wahrscheinlich."

Beim Training im Charles-Ehrmann-Stadion bei mittlerweile hochsommerlichen Temperaturen von fast 30 Grad war Lothar Matthäus erneut der "Leitwolf".Bei den Laufreunden führte der 37jährige wie gewohnt die Gruppe der Feldspieler an, während Jeremies und Rekonvaleszent Steffen Freund ein "krankengymnastisches Joggen" und anschließende lockere Ballübungen absolvierten.Doch der frühere DFB-Kapitän Matthäus wird in der nordfranzösischen Kleinstadt im früheren Kohlerevier wohl weiter auf seinen 22.WM-Einsatz, der einem "Weltrekord" gleichkäme, warten müssen.Aus dem engsten Umfeld der Mannschaft hieß es: Ein Einsatz des Bayern-Liberos im Mittelfeld ist nicht vorgesehen, zumindest nicht in der Stammelf.Der Schalker Olaf Thon nahm verwundert dazu Stellung, ob er sich ein "Wechselspiel" während der Partie mit dem Routinier vorstellen könne."Die Frage ist nicht relevant", meinte der Abwehrchef, der für Vogts unverändert erste Wahl darstellt.

Darüber ist der 30jährige Gelsenkirchener selbst verblüfft."Ich habe mir nicht vorgestellt, so nahtlos nach meiner Verletzung wieder zu spielen.Ich bin sehr zufrieden", sagte Thon zur schnellen Rückkehr seiner Fitneß und zum ungebrochenen Vertrauen, das ihm der Bundestrainer schenkt.Somit kann Matthäus als Libero derzeit nur auf Einwechslungen hoffen, wenn Vogts Thon als Antreiber im Mittelfeld noch vorne beordert.Als sicher gilt, daß Vogts gegen die Jugoslawen, die als direkter Konkurrent um den Gruppensieg eingestuft werden, die offensive Ausrichtung des Mittelfelds ändern wird.Die Kombination Andreas Möller und Thomas Häßler dürfte vorerst ausgedient haben.Die Schwachstelle im deutschen Spiel, wie das gegen die Amerikaner oft weit klaffende "Mittelfeld-Loch" zu schließen sei, wird intern ausgiebig diskutiert.Nur vor den Medien halten sich alle an die Forderung, in diesem Punkt den Mund zu halten.

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