Zeitung Heute : Ein "Kahlkopf" erobert die Herzen

FONTENAILLES .Erst mochten sie ihn nicht, nun feiern sie ihn begeistert.Manuel Lapuente hat ganz gegen die Erwartungen vieler Landsleute den Aufstieg vom Buhmann zum Helden geschafft.Vor der Weltmeisterschaft war der Trainer der mexikanischen Nationalmannschaft noch heftig kritisiert und immer nur an seinem beliebten Vorgänger Bora Milutinovic gemessen worden.Nach dem Einzug ins WM-Achtelfinale, in dem die Mittelamerikaner am Montag in Montpellier auf Deutschland treffen, erntete der 54jährige mit der hohen Stirn von allen Seiten höchstes Lob.Sogar Mexikos Staatspräsident Ernesto Zedillo griff zum Telefonhörer, um dem Coach mitzuteilen, wie stolz er auf ihn sei.Die feiernden Fans riefen: "Lapuente, presidente!"

So konnte Lapuente nach der erfolgreichen Vorrunde denn auch lässig und gutgelaunt in Fontenailles, wo die Mannschaft ein nobles Hotel bewohnt, vor den versammelten Reportern ein paar Scherzchen, aber auch Interna über seinen Arbeitsstil preisgeben."Wir planen die Taktik gemeinsam.Die Spieler können ihre Meinung äußern und Ratschläge zur Taktik geben.Dann entscheiden wir", erklärte er.

Erst im November 1997 übernahm Lapuente die Mannschaft von dem Mann, dem in Mexiko sogar der "Orden des Aztekenadlers", die höchste Auszeichnung für einen Ausländer, verliehen worden war.Der Serbe Milutinovic hatte 1986 mit den Einzug ins Viertelfinale bei den Titelkämpfen im eigenen Land - er scheiterte erst gegen Deutschland im Elfmeterschießen - einen der größten WM-Erfolge der "Tri" geschafft, und hatte zudem mehr internationale Erfahrung aufzuweisen.Viele Kritiker trauten Lapuente den Job nicht zu, für den große Namen wie der argentinische Weltmeister-Trainer Cesar Luis Menotti oder der Niederländer Leo Beenhakker gehandelt wurden.

Dabei ist Lapuente, der wegen seiner spärlichen Haartracht den Spitznamen "Pelon" (Kahlkopf) trägt, alles andere als ein Neuling in dem Geschäft.Er betreute Mexikos Nationalmannschaft bereits 1991/92.In dieser Zeit verlor das Team von 20 Spielen nur vier.Als Vereinstrainer holte er vier Meistertitel, je zwei mit Puebla (1983/1990) und Necaxa (1995/1996).Auch als Spieler hatte er Erfolg: In der Saison 1966/67 war der ehemalige Stürmer Zweiter der Torjägerliste.

Aber als er im Mai dieses Jahres vor der WM zur Vorbereitung nach Europa kam, erntete er vernichtende Kritik.Nach einem 1:4 gegen den VfL Wolfsburg brachte die Sportzeitung "Esto" das Bild eines lächelnden Milutinovic auf der Titelseite.Ein anderes Blatt forderte: "Holt die Mannschaft zurück!" Lapuente hatte lange gezögert, ob er auf den Chefposten zurückkehren sollte.Nun feiern sie ihn begeistert.

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