Zeitung Heute : Ein "Klick" mit der Orange, und der Fernseher verschickt E-Mails

KATHARINA VOSS

Wie muß er aussehen, der Fernseher, mit dem man in Zukunft auch E-Mails abrufen oder telefonieren kann? Drei gleichrangige Preise im Wert von insgesamt 5000 Mark vergab der Sponsor Grundig am vergangenen Sonntag für die Entwürfe von Studenten der Berliner Kunsthochschule Weißensee und der Freien Universität, die ein Semester lang neue Fernseher, Fernbedienungen und Software-Programme für multimediale Fernseher entworfen haben.

Der Entwurf "Stöpsel-TV" von Michael Rudolph und Christian Kabuß gewann einen der zwei Preise im Bereich Software.Der Fernseher der Zukunft, so die Vision der beiden Design-Studenten, hat einen Anschluß, in den jeder seinen eigenen "Schlüssel" oder "Stöpsel" einstecken kann.Er enthält einen Chip, der nach den persönlichen Vorstellungen des Besitzers programmiert ist.Der Fernseher zeigt dann dem Zuschauer seine persönliche Nutzeroberfläche.Die langweilige schwarze Fernbedienung haben die Studenten durch eine Kunststoff-Orange ersetzt, deren Hälften man gegeneinander dreht und so von einem Programm zum anderen springt.Wie bei einer Eieruhr wird das Drehen von einem Klicken begleitet, so daß man auch hört, wie weit man springt.In der Mitte der Bildschirmfläche wird dabei jeweils durch ein Symbol angezeigt, welche Funktion der Mensch an der Orange gerade angeklickt hat.

Ein weiterer Preis ging an Sven Lützen-Gärtig, der an der FU Kommunikationswissenschaften studiert.Je nach Vorliebe des Zuschauers soll der von ihm entwickelte Programmführer zeigen, was zu bestimmten Zeiten oder was auf bestimmten Kanälen oder auf welchen Kanälen ein bestimmtes Filmgenre läuft.

Bei dem dritten preisgekrönten Entwurf steht jetzt schon fest, daß Grundig an ihm weiter arbeiten wird.Heesung Koo, koreanische Gaststudentin an der Kunsthochschule in Weißensee, entwarf einen ein Meter sechzig hohen und nur acht Zentimeter breiten Fernseher.Sie ist damit ihrer Zeit voraus, bis jetzt sind auch Flachbildfernseher mindestens fünfzehn Zentimeter breit.Die Austauschstudentin, die zur Zeit bei Grundig ein Praktikum macht, wird in den nächsten Monaten mit den Ingenieuren des Unternehmens prüfen, welche Elemente des Entwurfes verwirklicht werden können.Dazu gehört zum Beispiel die unsichtbare Integration des Audio-Systems oder die Möglichkeit, den Fernseher mit einzelnen Modulen zu erweitern.So kann zum Beispiel ein Digital-Versatile-Disc (DVD)- Modul angesteckt werden.Mit bis zu vier Modulen kann der "Fernseher der Zukunft" von Heesung Koo erweitert werden.Für Befürchtungen, in Zukunft auch beim Fernsehen intellektuelle Höchstleistungen vollbringen zu müssen, scheint es trotzdem keinen Grund zu geben: Die Fernbedienung zu dem Entwurf sieht ganz einfach aus - sie hat nur einen Knopf.

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