Zeitung Heute : „Ein Kribbeln im linken Arm“

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Hansjörg Schneble war ärztlicher Direktor des Epilepsiezentrums Kork und ist Gründer des weltweit ersten Epilepsiemuseums.

Was passiert bei einem epileptischen Anfall im Gehirn?

Bei einem Anfall senden zu viele Gehirnzellen zu starke Impulse aus. Normalerweise wird ein Erregungszustand der Zellen durch „bremsende“ Mechanismen wieder gehemmt. Aber bei einem epileptischen Anfall dehnt sich die Erregung über weite Bereiche des Gehirns aus. Das ist wie bei einer elektrischen Überladung. Am Ende brennt sozusagen die Sicherung durch.

Epilepsie wird heute auch durch Selbstkontrolle behandelt. Wie funktioniert das?

Die Patienten müssen das Muster ihrer Anfälle sehr genau kennen. Dann können sie bestimmte anfallsbegünstigende Situationen meiden oder sich ankündigende Anfälle gewissermaßen „wegdenken“. Sie denken zum Beispiel konzentriert an ihren letzten Urlaub oder an ihre Freundin.

Schöne Erinnerungen helfen also?

Eigentlich geht es darum, sich zu Beginn des Anfalls auf einen ganz bestimmten Punkt zu konzentrieren und so zu versuchen, die Gehirnströme zu beeinflussen. Bei einem epileptischen Anfall entstehen so genannte Krampfströme. Mit den positiven Gedanken können manche Patienten sie unterdrücken. Das funktioniert aber leider nicht bei allen.

Funktioniert die Selbstkontrolle nur durch Gedanken?

Es gibt auch Betroffene, die am Anfang eines Anfalls zum Beispiel ein Kribbeln im linken Arm spüren. Wenn sie ihn dann fest drücken, können sie manchmal so den epileptischen Anfall beenden.

Ist die Selbstkontrolle bei Epilepsie dann immer die erste Wahl?

Keineswegs. Das ist nach wie vor das anfallhemmende Medikament.

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