Zeitung Heute : Ein-Mann-Schau

Reporter, Kameramann, Cutter: Mit den Videophones wird die Kriegsberichterstattung endgültig mobil

Kurt Sagatz

CNN–Korrespondent Walter Rodgers war einer der ersten Journalisten, die nach Beginn des Irak-Feldzuges und dem Einmarsch der US-Truppen von Kuwait aus in den südlichen Irak Live-Bilder von der Front sendeten. Der „Embedded“-Journalist, der das siebte Kavallerie-Regiment der dritten Infanterie-Division mit seinen M-1A1-Panzern begleitete, setzte seine Berichte per Videophone ab. Live, direkt und so gut wie ohne zeitliche Verzögerung. Zur gleichen Zeit zeigte Fox News die Bilder eines US-Soldaten, der gerade eine irakische Flagge von einer zerstörten Militäreinrichtung entfernte. Auch diese Bilder fanden ihren Weg über die Satellitenverbindung eines Videophones.

Das Videophone-System enthält alles, was der mobile Korrespondent für seine Arbeit benötigt: Satellitentelefon, Laptop, eine eingebaute Kamera sowie sämtliche Programme zum Aufnehmen und Bearbeiten des Videomaterials sind integriert. Erstmals wurden die im handlichen Koffer verstauten Komponenten im amerikanischen Afghanistan-Feldzug gegen die Taliban eingesetzt. Ein einzelner Journalist reicht aus, um die Geräte zu bedienen. Er übernimmt dann zugleich die Aufgaben von Kameramann, Cutter und Techniker. Die britische Firma 7E Communications, die CNN, BBC, Fox, ABC sowie AP mit Videophones versorgte, rechnet damit, dass sich die Geräte allein schon wegen des Prinzips der „Ein-Mann-Schau“ bestens verkaufen lassen. Aber auch eine Arbeitsteilung – wie bei CNN – zwischen Korrespondent und Kameramann mit eigenem Camcorder ist möglich.

An die gestochen scharfen Aufnahmen normaler Fernsehteams kommt die rund 8000 Euro teure Videophone-Technik allerdings nicht heran. Die Bilder sind etwas verwackelt, die Synchronisation der Videos und der übertragenen Kommentare kann noch verbessert werden. Hierfür reicht die Übertragungsleistung, die zwei zusammengeschalteten ISDN-Verbindungen entspricht, derzeit nicht aus – trotz aller Fortschritte bei der Komprimierung der Bild- und Tondaten. Schnelle Schwenks oder Nachtsichtaufnahmen sind darum äußerst grobkörnig. Die Sender stört das nicht, schließlich seien die Aufnahmen unerreicht authentisch. Und das fast ohne Zeitverzögerung, denn die Übertragung der Daten vom Videophone zum geostationären Satelliten in 37 000 Kilometern Höhe und von dort zu den Sendern erfolgt nahezu in Echtzeit.

Eingesetzt werden die Videophones allerdings nicht nur zur Berichterstattung. Die US-Armee will sie auch nutzen, um Videokonferenzen zwischen Kommandanten im Feld und Journalisten zu ermöglichen. So könnten sogar Interviews mit Spezial-Einsatzkräften oder B2-Bomberpiloten geführt werden, deren Aufenthaltsorte aus militärischen Gründen geheim gehalten werden müssten, erläuterte David Lamp von den Vereinigten Streitkräften der US-Armee unlängst.

Eins kann die neue Technik jedoch nicht. Das Ungleichgewicht bei der Behandlung von Journalisten ausgleichen. Während die „Embedded“-Teams vor allem der amerikanischen und britischen Medien von vorderster Front berichten, haben die Sender anderer Länder zumeist das Nachsehen. Auch ARD-Reporter Arnim Staudt kann seine Videophone-Berichte allenfalls von der kuwaitischen Seite der Front aus absetzen.

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