Zeitung Heute : EIN NORDAFRIKANER IN DEN SCHLAGZEILEN: Wundertore mit roten Schuhen

NANTES (sid).Die roten Schuhe und der Pferdeschwanz sind seine Markenzeichen, mit seinen "Wundertoren" ist der Marokkaner El Mustapha Hadji zum Millionär geworden."Gegen Brasilien zu spielen ist etwas ganz Besonderes", sagt der offensive Mittelfeldspieler, der mit seinem Traumtor gegen Norwegen bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Frankreich für Schlagzeilen sorgte.Ganz Marokko hofft mit Hadji auf den ersehnten Aufstieg in die Beletage des internationalen Fußballs.

"Ich bin nur ein Fußballspieler" pflegt Hadji, dessen größter Fan König Hassan der Zweite von Marokko ist, zu sagen.Nach Engagements in Nancy und Sporting Lissabon ist der 26 Jahre alte Nordafrikaner inzwischen bei Deportivo La Coruna in der Primera Division Spaniens gelandet.Er sollte einmal französischer Nationalspieler werden, aber Hadji entschied sich für die Heimat.Und für Marokko spielte Hadji gestern in Nantes bei Redaktionsschluß dieser Ausgabe im zweiten Vorrundenmatch natürlich auch gegen den Weltmeister Brasilien.

Das allerdings wohl wieder mit Schmerzen.Denn seit Wochen plagt den Mann ein gebrochener Zeh im rechten Fuß - für einen Fußballprofi mehr als unangenehm.Schon zum Auftakt gegen Norwegen (2:2) konnte Mustapha Hadji nur mit schmerzstillender Spritze spielen.Und Henri Michel, französischer Trainer der marokkanischen Nationalelf, weiß, daß diese Spritze gegen die Brasilianer wieder notwendig ist.Michel: "Aber selbst wenn Hadji nur eine Halbzeit spielt, ist er für die Mannschaft unbezahlbar."

Manager in ganz Europa machten Jagd auf den Mann, und für Norwegens Trainer Egil Olsen war klar: "Hadji wird bei der WM noch so manchen Abwehrspieler vor große Probleme stellen." Der Goalgetter selbst war nach dem Unentschieden gegen die favorisierten Norweger total enttäuscht: "Wir haben ein schweres Spiel erwartet, weil es bei einer Weltmeisterschaft nur schwere Spiele gibt, aber wir waren gegen Norwegen die bessere Mannschaft."

Vor der ersten Begegnung in Frankreich hatte Hadji einen Monat lang pausiert."Ich bin von 100 Prozent weit entfernt", sagt er."Aber gegen den Weltmeister zu spielen, ist für jeden Profi ein Traum.Wir haben absolut nichts zu verlieren und glauben an unsere Chance." Henri Michel: "Die Brasilianer sind der Favorit, wir sind die Underdogs, ein Sieg gegen Brasilien wäre eine Meilenstein in der Geschichte des marokkanischen Fußballs.Wir haben einen Berg zu besteigen."

Beim Afrika-Cup gegen Ägypten hatte Hadji im WM-Jahr schon einmal spektakulär getroffen.Mit seinem Tor gegen Norwegen setzte er seine Erfolgserie fort - und in Marokko redet alles wieder von dem Mann der Wundertore.Das höchste Lob vor dem Spiel in Nantes kam vom Gegner.Brasiliens Roberto Carlos von Real Madrid: "Mustapha Hadji und Salaheddine Bassir zählen für mich zu den besten Angreifern in Frankreich." Der Titelverteidiger war gewarnt.

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