Zeitung Heute : Ein Pionier aus Genua

Bruno Benedetti war einer der ersten internationalen Doktoranden an der Berlin Mathematical School

Rudolf Kellermann
Nachwuchsforscher. Anders als viele Kommilitonen ging Benedetti nicht in die USA, sondern nach Berlin. Foto: Carsten Schultz
Nachwuchsforscher. Anders als viele Kommilitonen ging Benedetti nicht in die USA, sondern nach Berlin. Foto: Carsten Schultz

Geboren in Rom, Studium der Mathematik in Genua und Promotion in Berlin an der Berlin Mathematical School (BMS). Das sind Bruno Benedettis bislang wichtigste Lebensstationen. Der Italiener war einer der ersten internationalen Doktoranden an dieser Graduiertenschule von TU Berlin, FU Berlin und HU Berlin, die im Rahmen der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern weltweit die besten Nachwuchswissenschaftler auf dem Gebiet der Mathematik fördert.

Nach seinem Diplom in Genua stellte Benedetti fest, dass es an den italienischen Universitäten wenige Möglichkeiten gab, sich mit seinen Favoriten „Kombinatorik“ und „Diskrete Geometrie“ zu promovieren. „Dort konzentrieren sich fast alle Professoren auf klassische Gebiete der Mathematik“, sagt er. Als er von den Forschungen des Mathematikers Günter M. Ziegler in Berlin hörte, war er „voller Enthusiasmus“ und bewarb sich an der TU Berlin um eine Promotion. Es hat geklappt.

Der Anfang in Berlin war für ihn nicht ganz einfach. „Ich war etwas eingeschüchtert, als ich plötzlich in einem ganz neuen Gebiet forschen sollte“, erinnert sich der 28-jährige Benedetti. Außerdem fiel ihm auf, dass, anders als in den USA, in Deutschland die Doktoranden fast schon als vollwertige Wissenschaftler betrachtet und sofort in die jeweiligen Forschungsarbeiten integriert werden, erzählt er. In Berlin sei das genau so gewesen, aber glücklicherweise sei hier auch die persönliche Unterstützung nicht zu kurz gekommen. „Die BMS ist eine gute Mischung aus der amerikanischen Betreuung und dem deutschen Prinzip der eigenen Verantwortung“, findet er.

Benedetti hat es nie bereut, zur Promotion nach Berlin gekommen – und nicht wie viele seiner italienischen Kommilitonen in die USA gegangen zu sein. „An der BMS habe ich eine unglaubliche Offenheit erlebt. Besonders gut hat mir die internationale Atmosphäre gefallen. Diese Aufgeschlossenheit kann ich mir an einer italienischen Uni kaum vorstellen“, sagt er.

Im Moment ist Benedetti als „Göran-Gustafsson“-Forscher an der Kungliga Tekniska Högskolan (KTH) in Stockholm. Sein Forschungsgebiet dort ist die „Diskrete Morse-Theorie“, eine neue Theorie, um mathematische Objekte zu vereinfachen und zu verstehen. Besonders stolz ist er darauf, dass er gemeinsam mit Günter M. Ziegler einen Artikel für die „Acta Mathematica“, eine der ältesten mathematischen Fachzeitschriften, schreiben durfte. „Auch das und vieles mehr wäre ohne die BMS so nicht möglich gewesen“, sagt Benedetti.

So blickt er überaus positiv auf seine Zeit in Deutschland: „Für mich ist Berlin wieder die kulturelle Hauptstadt Europas. Ich habe das Leben in der Stadt sehr genossen, hatte sehr viel Spaß und begegnete sehr viel Toleranz. Hier lernt man Respekt für die vielen Farben der Welt.“ Außerdem sei sein Deutsch noch besser geworden, sagt Benedetti.

Nach Berlin zurückkehren wird der Forscher wohl nicht. Seine Freundin kommt aus Los Angeles und arbeitet in der Filmbranche in Hollywood. „Sie versucht zwar, mit Filmprojekten in Europa Fuß zu fassen. Wenn das nicht klappt, werde ich in ein paar Jahren in die USA umziehen.“ Rudolf Kellermann

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