Zeitung Heute : Ein poetischer Ausflug in das Land der Phantasie

KURT SAGATZ

Der "Myst"-Nachfolger gehört zu den Adventures der Extraklasse / Schnell wird vergessen, daß diese Welten künstlich sindVon KURT SAGATZ­Mit derartigen Vorschußlorbeeren ging bislang kein PC-Game ins Rennen.Kein Wunder, denn "Riven" ist der Nachfolger von "Myst", dem meistverkauften Computerspiel aller Zeiten, das seit der Veröffentlichung Ende 1993 weltweit über 3,5 Millionen Mal verkauft wurde."Riven" hat die Voraussetzungen, mit dem populären Vorgänger gleichzuziehen.Angefangen von "New York Times" und "Time" über das Netzmagazin "Wired" bis hin zu deutschen Zeitschriften wie "Konrad" oder "TV Today online" sangen die Medien schon vor der endgültigen Veröffentlichung des Spiels ­ zeitgleich in den USA, Japan und Europa Ende Oktober ­ das Hohelied eines neuen Megasellers. Die euphorischen Beschreibungen des Spiels und der Erfolgsstory der drei Erfinder von Cyan, Robin und Rand Miller sowie Richard Vander Wende, haben mehrere Gründe.Zum einen stehen die "Weltenbauer", wie sich die Cyan-Mannen selbst verstehen, hinter ihrer Geschichte, die für sie ein Mittel zur Selbstverwirklichung und nicht zum Geldscheffeln darstellt.Bislang konnten es sich die drei zudem leisten, wirtschaftlich eigenständig zu bleiben und nicht von einer der großen Spielecompanys, die den weltweiten Markt zu drei Vierteln beherrschen, geschluckt zu werden.Zum anderen ­ und dies ist für die Spieler, die sehnsüchtig auf den Verkaufsstart von "Riven" gewartet haben, nocht wichtiger: Die neu erschaffenen Welten auf der romantisch anmutenden Insel mit dem immer strahlenden Himmel und den weiten Stränden sind noch poetischer, noch realer gelungen als beim Vorläufer "Myst".Daß es sich bei den "Riven"-Bildern um Grafiken und nicht um Fotografien oder Videos handelt, ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen.Und bereits nach wenigen Minuten fällt es schwer, sich daran zu erinnern, daß alles auf dieser Insel ein Produkt der Phantasie des Cyan-Teams ist."Riven" erreicht ein ungeahntes Maß an Perfektion, das es in dieser Tiefe bislang nicht gegeben hat. Kurz zur Geschichte, die an "Myst" anknüpft, ohne das Wissen um dieses Spiel vorauszusetzen: Atrus Vater Gehn hat die vor der Zerstörung stehende Insel unter seine Kontrolle gebracht.Als Spieler erhält man nun den Auftrag auf der Insel Atrus Frau Catherine, die von Gehn gefangen gehalten wird, zu befreien.Hierzu benötigt der Spieler vor allem viel Geduld, denn Phantasie geht bei "Riven" vor Gewaltätigkeit, die dieses Spiel nicht kennt. Riven, Red Orb Entertainment, rund 100 DM.Systemvoraussetzungen: Multimedia-Pentium oder vergleichbarer Macintosh.

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