Zeitung Heute : Ein Risiko, das sich letztlich nicht ausgezahlt hat

BORDEAUX (sid).Kroatien steht bei seiner ersten WM-Teilnahme im Achtelfinale, Abwehrchef Zvonimir Soldo kann sich aber überhaupt nicht auf die Partie gegen Rumänien am 30.Juni in Bordeaux freuen.Der Defensivstratege vom VfB Stuttgart muß nach zwei Gelben Karten zuschauen, wenn seine Kollegen um den Einzug unter die letzten Acht und die mögliche Neuauflage des Europameisterschafts-Viertelfinales gegen Deutschland kämpfen."Ich bin sicher, daß es kein Foul war und die Gelbe Karte damit nicht gerechtfertigt war", meinte Soldo nach der Partie gegen Argentinien (0:1) zu der Aktion gegen Ariel Ortega kurz vor der Pause."Selbst Ortega hat das ja schließlich zugegeben", fügte der frühere Karlsruher Slaven Bilic anschließend hinzu.

Doch Schiedsrichter Said Belqola aus Marokko ließ sich nicht erweichen, selbst als Kapitän Davor Suker ihn fragte, ob er sich der Tragweite seiner Entscheidung bewußt sei."Ich fragte, ob er wisse, daß Soldo jetzt gegen Rumänien nicht spielen dürfe, und er hat ja gesagt", erklärte der Torjäger von Real Madrid."Die Schiedsrichter bevorzugen immer die großen Nationen", schimpfte Suker weiter."Deshalb sind auch Frankreich, Brasilien, Deutschland, England, Argentinien und Italien die Favoriten auf den Titel."

Wäre es vielleicht cleverer gewesen, die vorbelasteten Spieler wie Soldo angesichts der bereits erreichten Qualifikation für das Achtelfinale pausieren zu lassen? "Wir haben vor zwei Jahren bei der EM den Fehler gemacht, mit der zweiten Mannschaft zu spielen", erinnerte sich Soldo."Das hat dem Trainer viel Kritik von unseren Fans und den Journalisten eingebracht.Deshalb haben wir diesmal mit der besten Formation gespielt."

Bei der "Euro 96" verloren die Kroaten nach zwei Auftaktsiegen ihr letztes Gruppenspiel gegen Portugal 0:3 und mußten dadurch im Viertelfinale gegen den späteren Europameister Deutschland (1:2) anstatt gegen die vermeintlich schwächeren Tschechen antreten."Soldo spielen zu lassen, war ein Risiko, aber das mußten wir eingehen", meinte Trainer Miroslav Blazevic.Diesmal bringt den Kroaten der zweite Gruppenplatz hinter Argetinien anstatt England das Nachbarschaftsduell mit Rumänien ein.

Blazevic hätte zwar lieber gegen die "leichter auszurechnenden" Briten gespielt, doch die Spieler freuen sich auf das Treffen der Techniker."In diesem Spiel gibt es keinen Favoriten.Die Chancen stehen 50:50", erklärten Soldo und Suker.Und danach vielleicht wirklich die Revanche gegen die Deutschen? "Wir müssen Schritt für Schritt denken", sagte Bilic."Aber ich hätte nichts dagegen."

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