Zeitung Heute : Ein Rucksack voller Illusionen

BORDEAUX (dpa).Die wundersame Rückkehr von Roberto Baggio soll der ruhmreichen "squadra azzura" zum Glanz vergangener Tage verhelfen.Vier Jahre nach dem bittersten Moment seiner Karriere und dem vergebenen Elfmeter im WM-Finale gegen Brasilien, mit dem der "Pechvogel" den dreimaligen Weltmeister in die Krise schoß, verspricht Trainer Cesare Maldini den zuletzt erfolgsentwöhnten "Tifosi" die Rückkehr zu guten alten Zeiten."Ein WM-Turnier ist für mich wie ein Finale.Ich habe als Spieler und Coach sehr viele Endspiele erlebt und sie noch alle gewonnen", tönte er vor dem ersten Gruppenspiel gegen Chile heute (17.30 Uhr) in Bordeaux.

Nach dem Vorrunden-Aus bei der Europameisterschaft in England vor zwei Jahren und der mühseligen WM-Qualifikation mit dem Umweg über die Relegation gegen Rußland ist Baggio die Rolle des Hoffnungsträgers in den italienischen Medien gewiß."Baggio trägt Italien auf seinen Schultern", titelte die "Gazzetta della Sport".

Dabei hatte Baggio, der für den verletzten Del Piero ins Team rutschte und seit dem folgenschweren Fehlschuß in den USA erst ein Länderspiel bestritt, mit dem Thema Nationalelf längst abgeschlossen."Es ekelt mich an.Seit Jahren stehe ich in Italien auf der Abschußliste, es wird Zeit für eine Luftveränderung", kündigte der 31jährige nach der Abschiebung vom AC Mailand zum weniger renommierten FC Bologna eine "Flucht" ins Ausland an.

Doch der zum Auslaufmodell erklärte Offensivspieler belehrte seine Kritiker eines besseren und war mit 22 Treffern hinter Oliver Bierhoff (Udinese) und Ronaldo (Inter Mailand) drittbester Torschütze der Saison.Seinen neuen Job bei Inter Mailand läßt er sich mit fünf Millionen Mark netto pro Jahr honorieren.Baggios wiedererwachter Elan scheint sich nicht nur auf seinen Geldbeutel, sondern auch auf die Moral seiner Mitstreiter in Frankreich günstig auszuwirken."Wir sind eine der stärksten Mannschaften der Welt.Ich bin überzeugt, daß wir eine gute Rolle spielen werden", sagte Verteidiger Alessandro Costacurta.

Bei allem Optimismus fürchten sich die Italiener jedoch heute vor "Za-Sa": Ivan Zamorano und Marcelo Salas haben 23 von den 32 Toren der Chilenen in der WM-Qualifikation erzielt."Wir sind motiviert wie nie zuvor", erklärt der 31jährige Zamorano, der, wie er sagt, "mit einem Rucksack voller Illusionen" angereist ist.Im Blickpunkt steht auch sein Nebenmann Salas, den Lazio Rom für umgerechnet 32 Millionen Mark Ablöse von River Plate Buenos Aires losgeeist hat."Er braucht den Vergleich mit Batistuta und Ronaldo nicht zu scheuen", lobt Argentiniens Nationaltrainer Daniel Passarella.

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