Zeitung Heute : Ein Scherz, der keiner ist

An diese Virus-Warnung sollte sich niemand halten: Wer die dort genannte Datei wirklich löscht, hat nachher Probleme mit Windows

Ulrike Heitmüller

Welch ein Erfolg für ein paar Unruhestifter: Der Club der polnischen Versager leitete an alle 2000 Empfänger seines Newsletters einen Hoax, also eine Scherzmail weiter. In dieser wird geraten, eine Datei mit dem Namen jdbgmgr.exe zu löschen, weil es sich hierbei um einen Virus handele. Aber: Fast jeder dürfte diesen „Virus“ auf der Festplatte haben, denn diese Datei gehört zum Betriebssystem von Windows.

Niemand weiß, wie viele Nutzer sie entfernt haben – die Mail klingt schließlich bedrohlich: „Ich habe eine Viruswarnung bekommen und den Virus bei mir gefunden. Dieser breitet sich über das Adressbuch aus und Ihr/Sie stehen in meinem Adressbuch. Es ist wirklich ein Ernstfall. Er aktiviert sich selbst und löscht sämtliche Daten auf der Festplatte.“ Dann wird erklärt, wie man den vermeintlichen Virus findet – die Antivirenprogramme können ihn verständlicherweise nicht entdecken – ihn löscht und auch, wie man ihn aus dem Papierkorb entfernt, sicher ist sicher. Den Schluss macht die Aufforderung: Die Warnmail soll an alle Kontakte aus dem Adressbuch versandt werden, weil der Virus sich ja auch über das Adressbuch versendet.

„Normalerweise prüfe ich solche Virenwarnungen nach, aber es war spät, und ich war schon müde. Außerdem klang es sehr ernst“, sagt Joanna Bednarska, die die Newsletter für den Club der polnischen Versager schreibt und die Virenwarnung am Sonntagabend weitergeleitet hat.

Dabei ist gerade diese Ernsthaftigkeit ein ziemlich sicheres Zeichen dafür, dass eine Virenwarnung nicht echt ist. Je bedrohlicher die Sache klingt, desto harmloser ist sie zumeist. Weitere Kennzeichen für eine Scherzmail: Man erhält sie unaufgefordert, und man soll sie an möglichst viele Leute weiterleiten. Kettenbriefe funktionieren nach demselben Prinzip, nur dass es dabei um angeblich krebs- oder nierenkranke Kinder geht.

„Es ist immer heikel, eine Datei in Windows zu löschen, auch wenn gerade diese nicht wirklich wichtig ist“, sagt Christian Neusser, Techniker beim PC-Notruf ( www.pc-notruf.de ). „Dies ist schon das zweite Mal, dass eine Windows-Datei angeblich ein Virus sein soll“, sagt er. Die erste heißt sulfnbk.exe, vor beiden wird schon seit mehreren Monaten gewarnt. „Wer so eine Mail bekommt, sollte den Namen des angeblichen Virus bei einer Suchmaschine wie Google eingeben. Viren und Hoaxes sind meist sehr schnell bekannt, und in den Fundstellen kann man nachlesen, ob es sich wirklich um einen Virus handelt.“ Google gibt im Web für „jdbgmgr.exe“ über 23 000 Treffer weltweit und mehr als 5000 deutschlandweit an. Auch Anti-Viren-Unternehmen reagieren meist innerhalb weniger Stunden auf neue Viren und Hoaxes und bieten auf ihren Homepages entweder Entwarnungen oder Programme dagegen an.

Der Club der polnischen Versager bekam die Entwarnung postwendend von den eigenen Lesern: „Ich habe mich gewundert, wie viele Leute gleichzeitig online sind“, sagt Joanna Bednarska: „Ich bekam innerhalb von einer halben Minute fast 30 Antwortmails. Die Leute schrieben, dass wir wieder einmal versagt haben.“

Mehr zum Thema:

www.polnischeversager.de

www.tu-berlin.de/www/software/hoax.shtml

www.heise.de/ct/antivirus

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