Zeitung Heute : Ein Service für Berlin

KURT SAGATZ

Die Arbeiten zum Berliner Beitrag beim Städtewettbewerb media@komm laufen auf Hochtouren.Nachdem der Beitrag unter dem Namen Euro@Berlin in der ersten Runde in die Siegergruppe der ersten Zehn gelangte, wird nun alles darangesetzt, bis zum Abgabetag am 15.Januar 1999 ein Konzept auszuarbeiten, das Berlin ganz oben auf das Siegertreppchen bringt.Rund 50 Berliner Unternehmen und Institutionen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung arbeiten daran, die Umstellung zum Euro zum Katalysator für notwendige Veränderungen zu machen - und dies unter Einsatz der neuen Medien.

Unabhängig vom Ausgang des vom Bundesforschungsministeriums ausgelobten Wettbewerbs, dessen Ergebnis gegen Ende Februar/Anfang März nächsten Jahres erwartet wird, zeichnet sich bereits jetzt ab, daß sich allein die Teilnahme für die Berliner Teilnehmer lohnt.Euro@Berlin ist schließlich nicht allein eine gewisse Zahl von Anwendungen im Internet, die später in das Berliner Stadtinformationssystem eingebunden werden sollen, sondern vielmehr eine neue Herangehensweise an offene Problemstellungen, wie Projektleiter Thomas Leitert erklärt.

Bei Euro@Berlin geht es daher auch nicht allein darum, die interessante Siegprämie einzustreichen.Der Berliner Beitrag soll daneben auch eine Brücke darstellen, mit der neue Nutzergruppen an Multimedia herangeführt werden können.Um dies zu erreichen, sollen im ersten Schritt die Teilnehmer am Berliner Beitrag und in zweiter Linie auch die anderen Unternehmen der Stadt aus den Fehlern der Vergangenheit lernen.Einer der ganz großen Defizite im Umgang mit Multimedia und Internet ist nach Einschätzung von Leitert, daß sich die Gestalter der neuen Dienste häufig zu wenig Gedanken über die Intereressen der Nutzer und somit der Kunden machten."Viele Firmen haben bei ihrem Gang ins Netz eine einfache Rechnung im Kopf.Sie wissen, daß über das Internet eine gewisse Zahl von Menschen erreicht werden kann und sagen sich dann, wenn ich davon tatsächlich zehn Prozent erreiche, reicht mir das", so Leitert.Doch so einfach ist die Rechnung eben nicht, denn wer nicht die eigene Zielgruppe genau vor Augen hat, muß sich nicht wundern, wenn die Nutzer ausbleiben.

Besser wollen es beispielsweise die rund 20 Berliner Teilnehmer aus dem Bereich Handel machen.Ihr Ansatz sieht vor, die verschiedenen Herangehensweisen der potentiellen Kunden stärker zu berücksichtigen.An die Stelle der bekannten Shopping-Malls im Netz wollen sie eine Suchoberfläche setzen, bei der die Kunden individuell auswählen können, ob sie nun ein Produkt besonders preisgünstig kaufen wollen oder ob es ihnen wichtiger ist, bei einem speziellen Händler oder in einer genau definierten Region den Einkauf zu tätigen.Damit dies möglich ist, müssen natürlich die Daten der verschiedenen Anbieter für die Suchmasken zur Verfügung stehen, was durch eine Standardisierung der Schnittstellen erreicht werden soll.Hier zeigt sich übrigens, mit welchem Elan die Berliner den Wettbewerb betreiben.Wo sonst monate- oder jahrelang diskutiert wird, ist man nun schon bei der Definition der Schnittstellen.Ein gutes Zeichen für den Wettbewerb, aber auch für die Berliner Wirtschaft, die langfrisitig davon profitieren kann.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben