Zeitung Heute : Ein Studium lohnt sich mehr denn je IAB-Studie über Berufschancen

Barbara Hübner

Die Arbeitslosenquote von Akademikern ist zwischen September 2001 und September 2003 um rund 40 Prozent gestiegen – deutlich mehr als beim Durchschnitt aller derzeit rund 4,5 Millionen Arbeitslosen. Lohnt sich angesichts dieser Entwicklung ein Studium überhaupt noch?

Eine Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) beantwortet die Frage mit einem klaren Ja. Schon allein, weil sich die Chancen von Akademikern in der Zukunft deutlich verbessern sollen. Im Vergleich zu anderen Berufsgruppen ist das Problem Arbeitslosigkeit bei Akademikern nämlich immer noch relativ gering: Von allen erwerbsfähigen Arbeitsamtskunden stellten Hochschulabsolventen im Jahre 2002 „nur“ 3,3 Prozent (Westen) beziehungsweise 5,5 Prozent (Osten).

Als Grund für die absolute Zunahme der Akademikerarbeitslosigkeit in der jüngsten Zeit nennen die IAB-Experten die wirtschaftliche Lage, die „alle Branchen erfasst“ habe, also auch solche mit einem hohen Akademikeranteil – wie etwa die Medien- und IT- Branche. Höher Qualifizierte, so ein Ergebnis der Studie, verfügen zwar im Vergleich zu anderen Erwerbstätigengruppen zwar über die höchsten Einkommen, leben aber deutlich häufiger als andere in „unsicheren“ Arbeitsverhältnissen. Sie arbeiten häufig befristet – auf Basis von Werk- und Honorarverträgen.

Als Besorgnis erregend nennt das IAB, dass sich das Bildungsgefälle verstärkt und soziale Selektion nicht ab-, sondern zugenommen habe. Hierzu beruft sich das Nürnberger Institut auf die Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes aus dem Jahr 2001. Von 100 Kindern hoher sozialer Herkunft, stellte diese Studie fest, hatten 72 Kinder ein Hochschulstudium aufgenommen, von 100 Kindern niedriger sozialer Herkunft nur acht. Nach Ansicht des IAB ist „eine neue, lebendige, gesellschaftliche Debatte“ nötig, die „ähnlich wie in den 60er und 70er Jahren“ soziale Ungleichheit thematisiere.

Aufgrund des bevorstehenden gravierenden Akademikermangels erwarten die Autoren der IAB-Studie, dass sich die Aussichten in „weniger marktgängigen Fächern“ wie den Sozial- und Geisteswissensschaften zukünftig entspannen und in den Betrieben die „Offenheit gegenüber Quereinsteigern“ zunehmen werde. Als Fazit raten die Experten in jedem Fall zu einem Studium: „Am besten in dem Bereich, wo die individuellen Fähigkeiten und Neigungen liegen – nicht zuletzt, weil man nur dann ein Studium erfolgreich meistern kann.“

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