Zeitung Heute : Ein Teppich aus grünen Quadraten

Die Gartenanlage, die nach Plänen von Gustav Lange gestaltet wurde, vereint Altes und Neuzeitliches

Waltraud Hennig-Krebs

Die gärtnerische Anlage des Bundesrats in der Leipziger Straße ist eine optische Bereicherung. Die gestaltete Fläche mit den hohen Hortensienkübeln, umrahmt von Buchsbaumhecken, signalisiert Altes und Neuzeitliches zugleich. So hat der Hamburger Gartenarchitekt und emeritierte Professor Gustav Lange all das, was von der früheren Anlage nach Zerstörung und durch Verfall noch erhalten war, in seine Planung miteinbezogen.

Ausgangspunkt für seine gestalterische Idee waren die rekonstruierten historischen Mosaik-Quadrate auf dem Gehweg vor dem Zaun. „Ich habe das quadratische Muster als Teppich begriffen, der zu einem Garten wird, sich im Haus als Fußboden fortsetzt und hinter dem Haus wieder Garten wird“, erläutert Lange und fügt hinzu, „im hinteren Bereich sind die Buchsbaum-Quadrate geschlossen. Da stehen keine Pötte drin.“ In diesem nicht einsehbaren Teil zieren vereinzelt stehende Rosen als Farbtupfer die grünen Buchsbaum-Elemente.

Gustav Lange nutzt und interpretiert bei seinen Entwürfen grundsätzlich den sich bietenden Freiraum neu. „Keine Arbeit sieht wie die andere aus. Ich versuche auch nicht, modern zu sein, sondern ordne mich dem Ort unter", erklärt der 67-Jährige.

Von der Zaun- und Toranlage des Ehrenhofs fand Lange erfreulicherweise den durchlaufenden historischen Granitsockel vor. Aufschluss über die einstigen Maße, die bei der Neugestaltung berücksichtigt werden sollten, gaben die abgesägten Gitterstäbe. „Es war gar nicht leicht, einen passenden Zaun zu erfinden. Er sollte kein Symbol für Wehrhaftigkeit, sondern Schmuck sein", erläutert er. Und tatsächlich ähneln die mit Blattgold verzierten Rauten, die die eckigen Eisenstangen oben abschließen und nur von der Straße aus sichtbar sind eher einer goldenen Kette als Speerspitzen.

Original erhalten, ist der Belag der oval verlaufenden Auffahrt. Sie umarmt quasi die streng geometrische Anordnung der Blumenanlage. Das kostbare, kleine Bernburger Pflaster, ein aus Kalkstein bestehendes Mosaik, ist abgesetzt mit dunklen Basaltsteinen. Und die alte Graniteinfassung, geputzt und wieder eingesetzt, zeigt teilweise noch die Spuren des Krieges. Da vom alten Brunnen kaum etwas erhalten geblieben war, musste er erneuert werden. Doch der Standort und die Form sind geblieben. Über eine helle Sandsteinbalustrade rinnt stetig ein dünner Film aus Wasser, das sich in einem ovalen Becken sammelt.

Vom Hauptportal aus hat man einen schönen Überblick über den tiefer gelegten Garten mit seinen kräftigen Hortensienbüschen, die durch ihre Blüte signalisieren, dass sie ein gutes Winterquartier hatten. In Drahtkörben, mit Bewässerungsschläuchen versehen, gedeihen sie in den 35 hohen Terrakotta-Kübeln prächtig. Die großen Pflanzgefäße stehen auf eckigen, in einem weißen Kiesbett ruhenden Sandsteinsockeln. Umfriedet werden sie durch quadratische Buchsbaumhecken.

„Das ist die Blume meiner Großmutter“, antwortet Gustav Lange auf die Frage, warum er für die Bepflanzung die Hortensie gewählt habe. Sie ist für ihn eher ein Symbol: „Die Hortensie ist eine Pflanze, die keinen Herrschaftsanspruch hat“. Denn die Herrschaft dieses Hauses sei nicht mehr herstellbar, meint Lange und fügt hinzu: „Ich musste eine Sprache finden. Und diese Sprache heißt heute nicht Distanz durch eine adelige Pflanze, sondern Nähe suchen mit einer Pflanze, die blüht und die die Distanz zu diesem hoch herrschaftlichen Haus abbaut und es den Leuten nahe bringt." Hinzu kam auch ein rein gärtnerischer Aspekt: Hortensien blühen im Halbschatten. Durch das hohe Gebäude bekommt der im Süden gelegene Garten nämlich kaum Sonne ab. Und das war für ihn auch der Grund, sich für Azaleen als Winterbepflanzung zu entscheiden. Die ausgewählte Art wächst im Nordschatten des Himalajas, ist Frost verträglich und immergrün. Leider zeigen sie bislang ihre Blüten nur selten zur selben Zeit wie die Magnolien, die ebenfalls die Anlage zieren, bedauert der Gartenarchitekt, der sich selbst eher als „Gärtner“ sieht.

Fast liebevoll streicht er über die gepflegten Buchsbaum-Elemente und lädt zur Nachahmung ein – das dichte Blattwerk ist fast weich und zart wie ein Daunenkissen.

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