Zeitung Heute : Ein Traum vom Golden Goal

NIZZA .Der Torschützenkönig im Wartestand träumt vom Golden Goal."Vielleicht komme ich im Endspiel rein und mache das entscheidende Tor", erzählte Ulf Kirsten von seiner Vision, die ihm für alle Ewigkeit einen Platz in der deutschen Fußball-Geschichte sichern würde.So wie Oliver Bierhoff, der 1996 als Einwechsler den EM-Triumph im Wembley-Stadion perfekt gemacht hatte.Eine "kleine Probe" war Kirsten schon im Spiel gegen Mexiko gelungen, als der Bundesliga-Torjäger Nummer eins, gerade zwölf Minuten im Spiel, genau auf das "Goldköpfchen" von Bierhoff flankte: 2:1, Sieg, Jubel, Viertelfinale."Am Ende ist es mir lieber, wenn wir das Spiel erfolgreich gestalten", ordnete sich Kirsten selbst in die Helfer-, statt in eine Stammrolle ein.

Dabei stand der 32jährige vor seiner zweiten WM - 1994 in den USA war er ohne jeden Einsatz geblieben - näher an einem Stammplatz in der DFB-Auswahl als je zuvor."Doch solange Oli und Jürgen so treffen wie bisher, bleibt mir wohl nur die Jokerrolle.Aber ich bin 32, es ist meine letzte WM, da ordne ich dem großen Ziel Finale alles unter." Diese Einstellung brachte dem Ex-Dresdener ein dickes Lob des Bundestrainers ein: "Er hätte als Bundesliga-Torschützenkönig gewisse Forderungen stellen können gegenüber dem vor der WM in der Kritik stehenden Jürgen Klinsmann.Aber wie er sich hier gibt, wie er sich im Training voll reinhängt, wie er ins Spiel kommt, so muß es sein."

Auch Bierhoff hatte sich extra bei Kirsten bedankt, Klinsmann ist auch durch den Konkurrenzdruck des Leverkuseners in Top-Form gekommen."Es hätte jeden treffen können.Und wenn sie nicht so erfolgreich wären, hätte ich bestimmt eine Chance von Beginn an bekommen", unterstrich Kirsten das loyale Verhältnis zu seinen drei Stürmerkollegen Klinsmann, Bierhoff und Olaf Marschall.Der Unterschied zum teilweisen Egoismus bei der WM 1994 sei schon auffallend: "Damals waren wir fünf Stürmer.Die auf der Bank saßen, waren für sich.Die gespielt haben, waren für sich", charakterisierte er die damalige Stürmer-Symbiose Völler, Klinsmann, Riedle, Kuntz und Kirsten."Jetzt ist ein anderes Verhältnis da, wie es für eine Profi-Mannschaft üblich ist.Ohne Neid."

"1994 gab es viele alte, gestandene Stürmer, die hatten ihre eigenen Interessen", formulierte Kirsten.In Frankreich gehe es nur um den Erfolg des Teams: "Theater in der Mannschaft würde uns da nicht helfen." Dreimal kam der "Schwatte" bisher als Joker ins Spiel.Gegen Jugoslawien sorgte er mit für den Umschwung, gegen den Iran wurde ihm das regelgerechte 3:0 wegen Abseits aberkannt, gegen Mexiko legte er zum Siegtreffer auf."Wenn er reinkommt, gibt er immer Vollgas, ob auf der rechten Seite oder aus dem Mittelfeld", betonte Vogts, der vor der versammelten Medienschar in Nizza über die positive Rolle von Kirsten referierte."Ich bin froh, daß ich ihn hier habe."

Mit seiner sportlichen Rolle hat sich Kirsten inzwischen angefreundet."Es wäre sicher eine schöne Sache, wenn ich gegen Kroatien von Beginn an dabei wäre.Aber Rechtsaußen habe ich mit 19 Jahren das letzte Mal gespielt.Ich denke, daß die Aufstellung nicht geändert wird."

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