Zeitung Heute : Ein ungleiches Paar

HANS-PETER STRICKER

AOL und Internet harmonieren derzeit nur eingeschränkt VON HANS-PETER STRICKER

Während der Online-Dienst CompuServe Schritt für Schritt auf Internet-Technologie umsattelt, will Konkurrent AOL ein eigenständiger Dienst bleiben."AOL ist ein geschlossenes System und wird es bleiben", heißt es in der Hamburger Geschäftszentrale.Was freilich nur bedeutet, daß man von außen, sprich aus dem Internet, nicht hineinkommt.Umgekehrt hält man auch von Hamburg das Tor zum Internet weit offen.Konkret heißt das: In den nur AOL-Mitgliedern mit AOL-Software zugänglichen Angeboten finden sich immer häufiger Verweise, die auf Seiten World Wide Web (WWW) führen.Aktiviert man einen solchen Link, wird automatisch der in die AOL-Benutzeroberfläche integrierte WWW-Browser gestartet und die Internet-Seite geladen. Anders als bei CompuServe funktioniert die umgekehrte Richtung nicht, die AOL weitestgehend mit dem Internet verschmelzen ließe: Es gibt in WWW-Seiten - selbst in den von AOL angebotenen - keine Links auf Angebote im AOL-Format, also solche, die nur mit der AOL-Software empfangen werden können. Der in die neue AOL-Software 3.0 integrierte WWW-Browser - direkt aufrufbar über den Globus in der Symbolleiste - hat vor allem einen Vorteil: Er funktioniert ohne weiteres Zutun seitens des Benutzers.Schwerer wiegen freilich seine Defizite: Zum einen ist er kaum individuell konfigurierbar - er gestattet zum Beispiel nicht, zeitfressende Grafiken erst bei wirklichem Bedarf nachzuladen -, vor allem aber ist er nicht offline-tauglich.Meldet man sich bei AOL ab, wird der Browser geschlossen. Dankbar nimmt man da die Möglichkeit in Anspruch, einen WWW-Browser eigener Wahl installieren zu können, zum Beispiel den "Navigator" der Firma Netscape.Wie das vonstatten geht, ist gut dokumentiert, etwa unter "Kennwort: Internet/Netscape-Navigator/Installationshinweise".Der Witz an der Sache: Der externe Browser kann später separat aufgerufen und als gebührensparender Offline-Reader benutzt werden.Unabdingbare Voraussetzung dafür ist allerdings, daß die Browser-Option "Seiten nicht aktualisieren" gewählt wurde. Daß es auch mit den externen WWW-Browsern Probleme gibt, verschmerzt man gerne, wenn man weiß, daß man mit ihrer Hilfe sowohl dem Online-Dienst (in diesem Falle AOL) als auch der Telekom ein Gebühren-Schnippchen schlagen kann.Ein solches Problem ist zum Beispiel, daß die in moderne WWW-Browser üblicherweise integrierten E-Mail- und Newsgruppen-Funktionen nicht arbeiten (was AOL freimütig eingesteht): Um elektronische Post zu empfangen, muß man auf jeden Fall zur AOL-Software zurückkehren.Doch sogar hier gibt es einen positiven Aspekt: In WWW-Seiten eingefügte E-Mail-Links funktionieren auch mit dem externen Browser. Abgesehen von allen technischen Details ist zu sagen, daß der Internet-Zugang über AOL erfreulich flott vonstatten geht - spezielle Datenkomprimierungstechniken machen es möglich.Ohne Aufpreis kostet das Surfen im Internet bei AOL die üblichen sechs Mark in der Stunde - etwa genausoviel wie bei CompuServe oder T-Online.

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