Zeitung Heute : Eine Auszeit nehmen

Wie ein Partygänger Berlin erleben kann

Daniel Haaksman

WAS MACHEN WIR HEUTE?

Foto: Kai-Uwe Heinrich

Welcher Tag ist heute eigentlich? Ach ja: Freitag! Höchste Zeit für den Partygänger. Aber wahrscheinlich geht es Ihnen wie mir: Mein Biorythmus, der das ganze Jahr über auf Feiern am Wochenende geeicht ist, versteht langsam die Welt nicht mehr. Er denkt sich: Gerade erst die längste Party-Nacht des Jahres verbracht und jetzt soll ich schon wieder feiern gehen? Nein, geht nicht, meldet er, bin total durcheinander nach den ganzen Feiertagen, brauche dringend eine Pause, um mich neu zu orientieren.

Mein Körper argumentiert ähnlich: Der Schädel brummt immer noch leicht, und wenn er hört, dass er heute oder morgen noch einen Tropfen Alkohol verabreicht bekommt, rebelliert er. Nein, der Name der Party, auf die ich heute Abend gehe, heißt Detoxikation, und die findet bei mir zu Hause statt – erst in der Badewanne, dann im Bett.

Aber wahrscheinlich gibt es einige Partymonster, die sind unermüdlich und wollen auch an diesem Wochenende clubben gehen. Für die hätte ich sogar einen Vorschlag. Es handelt sich dabei allerdings nicht um einen Club im herkömmlichen Sinne. Obwohl das Wort großflächig am Eingang prangt, hört man keine wummernden Bässe, wenn man an der Tür vorüber geht. Es steht dort auch niemand davor, der darauf wartet, eingelassen zu werden. Betritt man den Laden, wird man vielmehr freundlich gefragt: „Was möchtest Du, surfen oder spielen?“ und bekommt sogleich einem PC zugewiesen. „Go Play“heißt der Laden, von dem hier die Rede ist, und dieser „Game-Club“ befindet sich auf der Torstraße, gleich in der Nähe des Rosenthaler Platzes.

„Go Play“ ist ein LAN-Club, ein Ort, an dem Videospieler in einem lokalen Netzwerk gegeneinander spielen können. Schätzungsweise 50 miteinander vernetzte PCs stehen dort, und an Wochenenden ist hier die Hölle los, wenn die Teams der 17-Jährigen ihre Meisterschaften in Spielen wie „Counterstrike“, „Star Wars“, „The Phantom Menace“ oder „Battlefield 1941“ austragen. Klar: In diesem Club wird null geflirtet. Und man trifft dort ausschließlich junge Männer, die über virtuelle Waffensysteme fachsimpeln oder schlicht mit sich selbst und ihren Battle-Teams beschäftigt sind.

Manch einer mag das befremdlich finden, aber ich muss gestehen: Ich amüsiere mich dort immer prächtig. Man ist dort unter Menschen, die „Club“ ganz im ursprünglichen Sinne verstehen, als eine Vereinigung, in der gemeinsam einer Leidenschaft gefrönt wird. Und es ist ein idealer Ort, nach einem durchgefeierten Wochenende wieder zurück zur Konzentration zu finden. Die Sinne werden gefordert, aber man muss sich dafür nicht anstrengen. Akustisch wird einiges geboten: Man trägt Kopfhörer, über die man die Geräusche seines Videospiels hört, oder die Kommunikation der Spieler untereinander. Und visuell wird man dabei so vereinnahmt, dass man nach einigen Stunden Zockerei erst mal ein paar Minuten braucht, um wieder zurück zur Realität zu finden. Ist doch mal was anderes.

Nächste Woche gibt es dann wieder richtige Partytipps, versprochen.

Go Play, Torstraße 136, Mitte, täglich ab 12 Uhr, open end.

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